Nach der Uni zum Sex mit dem Freier

Prostitution

"Neugier, welcher Typ Mann das ist": Seit drei Jahren arbeitet Studentin Martina als Prostituierte. Foto: pixelio

Martina (Name von der Redaktion geändert) führt ein Doppelleben. Ihre Eltern und Freunde dürfen nichts davon wissen, dass die 25-Jährige neben ihrem Germanistikstudium als Hobbyhure arbeitet. Im Interview mit pflichtlektüre online erzählt sie von den Versuchungen des schnellen Geldes, aber auch von einer inneren Leere und psychischen Problemen.

pflichtlektüre online: Seit wann arbeitest du als Prostituierte?

Martina: Ich habe vor circa drei Jahren damit angefangen. Ich habe es aber nicht durchgehend gemacht, weil ich sonst seelisch damit zugrunde gegangen wäre. Das Ganze wäre zu viel geworden. Ich habe zwischendurch auch eine größere Pause von sechs bis acht Monaten eingelegt. Diese Pause war sehr wichtig für mich.

pflichtlektüre online: Trotzdem hast du wieder angefangen. Gab es einen Auslöser oder ein bestimmtes Ereignis in deinem Leben, dass dich dazu gebracht hat, als Prostituierte zu arbeiten?

Martina: Falls du an dieser Stelle hören möchtest, dass ich aus zerrütteten Familienverhältnissen komme oder ein tragisches Schlüsselereignis in meiner Kindheit hatte, so muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin das ganz normale Mädchen von Nebenan. Ganz im Gegenteil: Ich komme mehr aus einer Vorzeigefamilie, aus gutbürgerlichem Hause, einem intaktem Umfeld. Ich habe gute Freunde, gute Zensuren und bin mit sehr viel Liebe und Geborgenheit aufgewachsen.

Ich habe es auch finanziell nicht nötig, das zu tun. Auch, da ich nebenbei einem ganz gewöhnlichen 400-Euro-Job nachgehe – als wichtiges Alibi für meine Eltern. Und auch meine Eltern unterstützen mich noch teilweise. Ich tue es, weil es mich persönlich sexuell reizt, weil es interessant ist, ein Doppelleben zu führen, ab und zu in eine andere Rolle zu schlüpfen, in eine andere Welt einzutauchen – auch wenn das manchmal etwas anstrengend ist. Es ist einfach praktisch: Frau verbindet Schönes mit Nützlichem, frau verdient mit wenig Zeitaufwand viel Geld. Es ist ein gutes Gefühl, dass es einem Mann sehr viel wert ist, dich genießen zu dürfen, und dann ist da die Neugier, welcher Typ Mann das ist, der solche Frauen aufsucht…

pflichtlektüre online: Wie in vielen Anzeigen steht auch in deiner, dass dir ein Mann sympathisch sein muss und er gepflegt sein soll. Hattest du noch nie Probleme mit einem Kunden, weil er eine Ablehnung nicht akzeptiert hat?

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Martina ist eine junge attraktive Studentin, ähnlich wie die Frau auf dem Bild. Foto: pixelio

Martina: Eine richtig schlechte Erfahrung hatte ich ehrlich gesagt noch nie. Aber bei jedem Treffen bleibt immer ein kleines Restrisiko. Ganz klar. Manchmal versuchen Männer, dich trotz der vorab vereinbarten Spielregeln und Tabus, dann im Bett doch noch zu etwas zu überreden beziehungsweise dich rum- oder weichzukriegen. Dann muss man halt dominant Grenzen aufzeigen. Aber das war auch schon das Schlimmste, was ich bis jetzt erlebt habe. Meine Männer waren immer alle sehr sympathisch und gepflegt. Man muss auch wissen, dass die meisten meiner Kunden gut situierte Geschäftsmänner sind, die ganz bewusst keine professionelle Nutte wollen, sondern vielmehr die junge natürliche Frau von nebenan suchen. Und wenn’s dann noch ’ne Studentin ist, dann reizt sie das Ganze noch mehr. Und es gibt kaum einen, der nicht vor Beginn im Hotelzimmer nochmal kurz unter die Dusche hüpft.

pflichtlektüre online: Wie laufen die Treffen mit den Männern davon abgesehen ab?

Martina: Ich inseriere gratis in Kleinanzeigen-Portalen im Internet. Oft antworte ich aber auch direkt auf Suchanzeigen mit Stichwörtern wie „Erfolgreicher Geschäftsmann sucht süße Studentin gegen Taschengeld“. Die erste Kontaktaufnahme läuft dann per Email ab. Nach einigen Jahren Erfahrung hat man gelernt, gut zwischen den Zeilen zu lesen, und unterscheidet bald schnell, ob es sich um einen Spinner handelt, der sich nur am Schreiben aufgeilen möchte, ob er ein Bildchensammler, Fake oder ernsthafter Interessent ist. Die ersten Fragen der Interessenten gehen natürlich in Richtung Taschengeldvorstellung, sexuelle Dienstleistungen und Tabus. Dann werden meist Fotos verlangt. Aufgrund der Fakes bin ich hier sehr vorsichtig und fordere immer zuerst ein Bild von meinem Gegenüber an. Falls der Mann mir gefällt, ich ihn sympathisch finde und die Eckdaten – wie Alter, Gewicht, Größe und Beruf – passen, dann lasse ich mir seine Telefonnummer geben und kontaktiere ihn.

Am Telefon gibt es dann ein kurzes Warm-up: Man spricht über die gegenseitigen Vorstellungen, was einem wichtig ist und in welchem Rahmen – welches Hotel, am welchem Tag, zu welcher Uhrzeit – das Ganze ablaufen soll. Nach dem Telefonat habe ich dann ein gutes Gefühl, ob der Typ was ist oder nicht. Sprich, ob er vertrauenswürdig, seriös, „ungefährlich“ oder doch ein Psychopath ist, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Zum vereinbarten Termin trifft man sich dann in einem Hotelzimmer und kommt gleich zur Sache. 90 Minuten später trennen sich dann wieder unsere Wege. Ist der Kunde zufrieden – und dies war bisher fast immer der Fall – meldet er sich automatisch wieder von selbst. Die meisten Kunden melden sich regelmäßig einmal pro Monat bei mir.

pflichtlektüre online: Behandeln dich die Männer denn tatsächlich immer mit Respekt?

Martina: Ja, das tun sie. Weil sie eben nicht zum klassischen Bordell-Klientel gehören und das auch nicht suchen. Sie suchen das ganz Normale, Natürliche und vor allem Junge. Die Meisten sind sehr gentleman-like. Einer Illusion sollte man natürlich auch nicht verfallen: Ein Dasein à la „Pretty Woman“ gibt es nicht. Wer davon träumt, dadurch den großen Fang zu machen, irrt sich gewaltig. Natürlich geht es letztendlich um eine bezahlte Dienstleistung. Die Kunden erwarten auch was für ihr Geld und kommen nur dann wieder, wenn sie auch zufrieden waren. Außerdem musst du ihnen immer das Gefühl geben, dass sie etwas Besonderes sind. Sprich, man sollte sich schon hübsch für sie zurecht machen. Wenn man das irgendwann schleifen lässt, nur weil man sich denkt, man kennt ihn nun schon lange genug, dann merkt der Mann das ganz schnell und verschwindet spurlos vom Erdboden.

pflichtlektüre online: Wie viel verdienst du mit deiner Arbeit im Monat?

Martina: Diese Frage ist sehr direkt. Ich kann nur sagen, dass ich pro Treffen – circa 60 bis 90 Minuten – 150 Euro verlange. Hierbei werden jedoch meine persönlichen Tabus streng eingehalten und auch keine Kompromisse gemacht. Meine Gesundheit und mein seelisches und körperliches Wohlbefinden stehen dabei immer an erster Stelle. Ich habe mir durch die Jahre einen kleinen Kundenstamm aufgebaut. Männer, die ich sehr sympathisch und attraktiv finde, mit denen mir der Sex auch große Freude bereitet hat, bei denen sich eine gewisse Vertrauensbasis und teilweise auch eine Art Vertrautheit aufgebaut hat. Davon kann ich sehr gut leben.

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2 Comments

  • Eugenio aus kalrsuhre sagt:

    [Anmerkung der Redaktion: Der Kommentar wurde gelöscht. Bitte macht keine Werbung für externe Portale.]

  • Nina aus Karlsruhe sagt:

    Ich bin eine Germanistikstudentin und arbeite SEHR gerne als Prostituierte, jeder weiß es, dass ich es mache. Ich will es nicht verheimlichen! Was ist das Problem? es ist eine ganz normale Tätigkeit wie jede andere! Es ist die einzige Möglichkeit, um mein Studium und Ausgaben zu finanzieren …

    [Anm. d. Redaktion: Ein Teil des Kommentars wurde gelöscht. Bitte macht keine Werbung für externe Portale.]

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