Abitur – und was mache ich jetzt damit?

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Die letzten Prüfungen sind geschrieben, der Abschluss ist zum Greifen nah – und wie geht es jetzt weiter? Suche ich mir eine Ausbildung, ein Studium oder etwas ganz anderes? Diese Fragen stellen sich Abiturienten spätestens in diesen Monaten. Dass diese Entscheidung manchem keinesfalls leicht erscheint, liegt vor allem an den vielfältigen Möglichkeiten, die sich jungen Leuten heutzutage bieten.

BWL, Jura, Medizin oder doch lieber Maschinenbau? Die Auswahlmöglichkeiten für ein Studium sind groß. Verschiedene Universitäten und der Hochschulkompass bieten spezielle Tests an, um das passende Fach zu finden. Zusätzlich sollte vor der Entscheidung ein Gespräch mit der Studienberatung geführt werden. Die Berater haben einen Einblick in das Angebot der jeweiligen Hochschule und können so individuell Empfehlungen aussprechen.

Wer sich endgültig für eine Fachrichtung entscheidet, sollte anschließend vor allem auf die Fristen achten. Sowohl an in- als auch an ausländischen Universitäten werden Bewerbungen nur bis zu einem genannten Datum angenommen. Auch die anschließende Immatrikulation muss bis zu einem feststehenden Termin geschehen. Die TU Dortmund veröffentlicht diese Fristen auf ihrer Internetseite.

Vielleicht doch lieber eine Ausbildung? Oder sogar beides?

Wer stattdessen eine Ausbildung beginnen möchte, sollte frühzeitig nach einem geeigneten Betrieb beziehungsweise Arbeitgeber suchen. Das erspart hinterher nicht nur eine Menge Stress, sondern garantiert den nahtlosen Übergang nach der Schulzeit. Hier können die Agentur für Arbeit und verschiedene Jobmessen helfen, die regelmäßig in unterschiedlichen Städten stattfinden. Bewerber können sich nicht nur über potenzielle Ausbildungsplätze, sondern auch über Versicherungen und Arbeitnehmerrechte informieren.

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Auf Jobmessen gibt es viele Infos rund um Studium und Ausbildung. Foto: Flickr.com/datev

Eine Möglichkeit, Ausbildung und Studium zu integrieren, bietet das duale Studium. Während des Semesters studieren duale Studenten ganz normal an einer Universität. Während der vorlesungsfreien Zeit arbeiten sie im Gegensatz zu regulären Studenten in einem kooperierenden Betrieb und bekommen damit eine doppelte Ausbildung sowie einen doppelten Abschluss.

Vor dem Antritt eines dualen Studiums steht jedoch ein gehöriger Organisationsaufwand. Nach einer erfolgreichen Bewerbung für einen Platz müssen duale Studenten sowohl mit der Universität als auch mit dem potenziellen Arbeitgeber über den konkreten Verlauf sprechen und sich für die Zeit in dem Betrieb verpflichten. Abiturienten können beispielsweise bei Banken oder Automobilfirmen ein solches Studium aufnehmen. Diese Variante bietet sich vor allem für sehr leistungsstarke Abiturienten an, die dem großen Arbeitsaufwand gewachsen sind.

Vielen fällt allein schon die Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium schwer. Die Agentur für Arbeit in Dortmund bietet deshalb besondere Beratungsangebote an. Sie zeigt mögliche Wege für die Zukunft auf und vermittelt bei Bedarf auch Ausbildungsplätze.

Alina Henze kommt aus dem Sauerland und hat während ihrer Schulzeit Angebote ihres Gymnasiums wahrgenommen. „Wir haben verschiedene Berufseignungstests gemacht, mit Zuständigen von der Arbeitsagentur gesprochen und eine Universität besucht“, sagt die 20-jährige. Darüber hinaus musste jeder Schüler in der Jahrgangsstufe 10 ein obligatorisches, zweiwöchiges Schülerpraktikum absolvieren, um erste Einblicke in das Berufsleben zu bekommen. Inzwischen macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin.

Auslandserfahrung durch Work-and-Travel- und Au-pair-Programme

Neben Ausbildung oder Studium gibt es jedoch zahlreiche weitere Alternativen. Besonders beliebt sind vor allem Work-and-Travel-Programme. Der Interessent reist durch ein von ihm ausgewähltes Land und nimmt dabei Gelegenheitsjobs an, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Nebenbei eignet sich das Programm, um Sprachkenntnisse zu verbessern, die Kultur des jeweiligen Landes kennenzulernen und den Horizont zu erweitern. Für spätere Bewerbungen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Beim "Work and Travel" gibt es viele Job-Möglichkeiten: Zum Beispiel kellnern.

Beim “Work and Travel” gibt es viele Job-Möglichkeiten: Zum Beispiel kellnern. Foto: Flickr.com/Michael Davies

Die Programme werden durch die Vergabe von „Working-Holiday-Visa“ ermöglicht, die oftmals eine Altersobergrenze haben. Diese liegt zwischen 18 und 35 Jahren. Deshalb ist es für Interessenten unerlässlich, sich vorher über die Bestimmungen im jeweiligen Zielland zu informieren. Dabei sollten auch finanzielle Aspekte berücksichtigt werden. Oft sind Rücklagen von mehreren tausend Euro Voraussetzung, um ein Programm anzutreten. Diese dienen der Überbrückung der Zeit zwischen zwei Jobs.

Außerdem sollten jederzeit mehrere Zahlungsmittel mitgeführt werden. Im Ausland empfehlen sich eine Kreditkarte wie die VISA- oder Master-Card, um weltweit kostenlos Geld abzuheben oder bargeldlos zu bezahlen, und Reiseschecks. Zuletzt ist das Abschließen einer Auslandskrankenversicherung notwendig. Unterstützung bei der Planung, finden Interessenten bei speziellen Agenturen, die die Work-and-Travel-Programme anbieten.

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Wer sich für ein Jahr als Au-Pair entscheidet, kommt im Land seiner Wahl, in eine Gastfamilie. Foto: Flickr.com/afsusa

Wer sich für einen Beruf im sozialen Bereich interessiert, sollte über ein Jahr als Au-pair im Ausland nachdenken. Zwar ist das Einkommen im Vergleich zu Work-and-Travel wesentlich geringer, dafür müssen jedoch kaum Lebenshaltungskosten bezahlt werden. Dafür sorgen die Gastfamilien, bei denen die Au-pairs wohnen. Meist muss nur die Anreise selbst bezahlt werden. Hauptaufgabe eines Au-pairs ist es, die Kinder der Gastfamilie zu betreuen, sie zur Schule zu fahren und zu versorgen. Da dies kein Vollzeitjob ist, bleibt genug Zeit, um die Kultur im Zielland kennenzulernen und seine Sprachkenntnisse auszubauen.

Die meisten Au-pairs verbringen ein Jahr bei ihrer Gastfamilie und bekommen für ihre Arbeit ein kleines Taschengeld. Besonders beliebt sind englischsprachige Länder wie Australien oder die USA. Aber auch ein Au-pair muss gewisse Vorgaben erfüllen, volljährig und nicht älter als 30 Jahre sein, einen Schulabschluss vorweisen können und ledig sowie kinderlos sein. Außerdem sind Erfahrungen im Umgang mit Kindern hilfreich.

Manche Agenturen verlangen zudem einen gültigen Führerschein und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Zuletzt sollten Interessenten zumindest über gute Grundkenntnisse der Landessprache verfügen. In Deutschland werden spezielle Vorbereitungskurse angeboten, um Au-pairs auf ihre Zeit in einem anderen Land vorzubereiten.

Soziales Engagement im FSJ, FÖJ oder BFD

Ein ähnliches Angebot sind das Freie Soziale Jahr (FSJ) und das Freie Ökologische Jahr (FÖJ). Sie bieten Freiwilligen die Möglichkeit, sich für ihre Mitmenschen, die Gesellschaft oder den Umweltschutz einzusetzen. Interessierte suchen sich einen Träger, beispielsweise einen Verein oder eine soziale Einrichtung, und bewerben sich. Besondere Qualifikationen sind in der Regel nicht notwendig. In beiden Diensten erhalten junge Leute ein kleines Taschengeld von ungefähr 150 Euro im Monat und eine beitragsfreie Versicherung in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Unfall-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

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IM FSJ, FÖJ und BDF geht es auch um die Arbeit im Team, häufig in sozialen Berufen. Foto: Flickr.com/LebenszentrumAdelshofen

Alina Henze war sich nach ihrem Abschluss unsicher, ob sie sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden sollte. Um mehr Zeit zur Orientierung zu haben und währenddessen praktisch zu arbeiten, absolvierte die 20-jährige ein FSJ im Christlichen Jugenddorfwerk in Olpe. Besonders gefiel es ihr, eigenständig zu arbeiten und Einblicke in den sozialen Bereich zu erhalten. Einziges Manko aus Alinas Sicht ist die geringe Bezahlung, obwohl sie meistens spät oder am Wochenende arbeiten musste. Trotzdem bereut sie ihre Entscheidung nicht. Ganz im Gegenteil: Das FSJ hat sie in ihrem Berufswunsch Erzieherin bestärkt.

Carola Kühling, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei den Evangelischen Freiwilligendiensten, berichtet ebenfalls von positiven Erfahrungen mit dem Freien Sozialen Jahr. Die Freiwilligendienste sind der zweitgrößte Anbieter von FSJ-Plätzen in Deutschland. Rund 14.500 Freiwillige sind sowohl im In- als auch im Ausland in der Jugendarbeit, Diakonie oder in Kirchen tätig. In den letzten zehn Jahren habe das Angebot deutlich an Attraktivität gewonnen, so Kühling. Im Vergleich zu den Jahren 1994-2003 hat sich die Anzahl der Teilnehmenden fast verdreifacht. Ein Trend, der für freiwillige Angebote wie das FSJ spricht.

Der BFD oder Bufdi genannte Freiwilligendienst ist ein noch relativ junges Konzept, das erst vor fünf Jahren eingeführt wurde. Er ist vor allem als Ersatz für den früheren Zivildienst gedacht. Genau wie beim FSJ können unterschiedliche Projekte und Einrichtungen unterstützt werden. Der Bundesfreiwilligendienst wird jedoch vom Bund finanziert, während das FSJ und das FÖJ ihre finanzielle Unterstützung von den Ländern erhalten.

Generell eignen sich die Freiwilligendienste für Abiturienten, die soziales Engagement mit beruflicher Orientierung verknüpfen oder später im sozialen Bereich arbeiten möchten.

Vertiefte Sprachkenntnisse durch Sprachreisen

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Häufig gewähltes Ziel einer Sprachreise: Cambridge. Foto: Flickr.com/hickmott

Alternativ können sprachbegeisterte Abiturienten eine Sprachreise machen. Großer Vorteil ist die Kombination aus Theorie und Praxis. Wer eine Sprache spricht, lernt sie im Ausland erst richtig. Reiseveranstalter bieten dazu verschiedene Profile an. Für Abiturienten, die auf Nummer sicher gehen wollen, ist eine Pauschalreise die richtige Entscheidung. Zwar sind die Kosten für eine solche Reise meist sehr hoch, dafür übernimmt der Veranstalter den gesamten Organisationsaufwand von der Unterkunft bis zu den Kursen.

Eine Sprachreise ins britische Cambridge kostet beispielsweise wöchentlich ungefähr 200 Euro. Wer seine Reise lieber selbst gestalten möchte, wählt das individuelle Reiseprofil. Es ist günstiger, da die Vermittlungsgebühren für Sprachkurse entfallen. Für Interessenten, die gerne längere Zeit in einem Land bleiben möchten, eignet sich das Sprachenjahr. Zusätzlich zu den Kursen absolvieren die Teilnehmer beispielsweise Praktika, um den Berufsalltag im jeweiligen Land kennenzulernen und die erworbenen Kenntnisse im beruflichen Kontext anzuwenden.

Auslandssemester ins Studium integrieren

Wer nach seiner Schulzeit direkt ein Studium begonnen hat, kann ebenfalls noch ins Ausland. Die meisten Universitäten bieten Auslandssemester an. Durch ein „Open Semester“- oder „Study Abroad“-Programm verbringt ein Student ein bis zwei Semester an einer ausländischen Universität und legt dabei dieselben Prüfungen wie die anderen Kommilitonen ab.

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Es gibt viele Möglichkeiten, um im Ausland zu studieren. Wo genau, hängt auch von den Uni-Kooperationen ab. Foto: Flickr.com/glasgowamateur

Er muss dabei das Abitur beziehungsweise die Fachhochschulreife vorweisen können und zudem über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen. Als Nachweis dienen vor allem generalisierte Einstufungstests, Sprachzertifikate oder gute Noten und Vermerke über das jeweilige Sprachniveau auf dem Abschlusszeugnis. Besonders beliebt sind hier neben englischsprachigen Ländern auch Frankreich, Spanien, Russland und Japan.

Wer sich für ein Semester im Ausland interessiert, sollte sich außerdem über Förderprogramme wie Erasmus, Erasmus Plus und andere Angebote für Aufenthalte außerhalb von Europa informieren. Hauptaufgaben solcher Fördermaßnahmen sind die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland anhand des European Credit Transfer Systems (ECTS) und die finanzielle Unterstützung von Austauschstudenten.

Das Erasmus-Programm steht allen Studenten offen, die an einer teilnehmenden Hochschule regulär studieren. Einzige Voraussetzung ist, dass die entsendende und die aufnehmende Hochschule ein entsprechendes bilaterales Abkommen haben. Es empfiehlt sich bezüglich der Anerkennung von Leistungen außerdem, vorher ein Gespräch mit dem zuständigen Studienkoordinator und dem Prüfungsamt zu führen. Am Ende der Zeit bekommt jeder Student ein „Transcript“, auf dem alle Module und Prüfungen aufgelistet werden.

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Selbst wer rein rechnerisch in Deutschland kein BaföG bekommt, könnte im Ausland Unterstützung bekommen. Foto: Flickr.com/janitors

Finanziell gesehen sollten Studenten vorher außerdem Rücksprache mit dem BAföG-Amt halten. Denn selbst Studenten, die keinen Anspruch auf eine Förderung im Inland haben, können unter Umständen Auslands-BAföG beantragen und so Unterstützung bei den Studiengebühren oder den Lebenshaltungskosten erhalten.

Wer seinen Lebensunterhalt selbst verdienen möchte oder muss, sollte in Verbindung mit einem Auslandssemester über ein Praktikum oder einen Job nachdenken. Die genauen Bedingungen vor Ort sollten jedoch schon im Vorhinein abgeklärt werden. Das Wort „Praktikum“ wird in manchen Ländern nämlich als befristete Arbeitsstelle verstanden. Unterstützung bietet neben verschiedenen Organisationen die Agentur für Arbeit.

An der TU Dortmund ist Laura Hope vom Referat Internationales die erste Ansprechpartnerin, wenn es um Auslandsaufenthalte während des Studiums geht. Sie berät Studenten zu Auslandssemestern, aber auch zu Praktika im Ausland. „Ein Auslandsaufenthalt macht erst ab dem dritten Semester Sinn, allerdings muss man sich oft schon im ersten Semester bewerben“, weiß Hope. Ein Auslandspraktikum sollte erst zum Ende des Bachelor-Studiums oder gar im Master in Erwägung gezogen werden. Im Mai veranstaltet das Referat Internationales verschiedene Informationsveranstaltungen zu Auslandsaufenthalten während des Studiums. Die genauen Termine und weitere Veranstaltungen finden Interessierte auf der Internetseite des Referats.

Mehr zum Thema

Hier findet ihr weitere Infos zu euren Möglichkeiten: 

duales-studium.de

work-and-travel.co

aupair.de

sprachreisen.de

ef.de

auslandspraktikum.info

Beitragsbild: flickr.com/Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken

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