Modewelt: Besonders ist schön

Sascha Rauscher 1

Schönheit ist sein Berufsalltag: Sascha Rauscher arbeitet in der Agentur „Model Pool“ in Düsseldorf (Foto: Ricarda Dieckmann)

Schönheit – was ist das eigentlich für die Modewelt, die sich immer wieder den Stempel „oberflächlich“ gefallen lassen muss? Wir haben einen Model-Booker gefragt. Die Überraschung: Die Zahlenkombination 90-60-90 reicht noch lange nicht aus, um zwischen Laufstegen und Magazincovern Karriere zu machen. Das, was ein Model wirklich schön macht, hat mit Diäten und Fitnesstraining nämlich nur wenig zu tun.

Das Telefon klingelt. Mappen stapeln sich auf dem Schreibtisch. Fotos von Männern und Frauen mit makelloser Haut und eindringlichem Blick hängen an der Wand. In dieser Kulisse arbeitet Sascha Rauscher. Er ist Booker in der Modelagentur Model Pool in Düsseldorf. Sein Job ist es, die Männer und Frauen in der Kartei an Auftraggeber, also an Marken und Fotografen, zu vermitteln. Kurz: Sascha weiß Schönheit zu vermarkten.

Wöchentlich landen bis zu 80 Bewerbungen im Mail-Postfach der Agentur. Absender: Menschen, die sich schön finden. Wenn Germany’s Next Topmodel läuft, werden es mehr, erzählt Sascha. Auch nach dem Wochenende, wenn sie feiern gehen und das Kompliment „Du bist ja voll das Model“ zu hören bekommen, entscheiden sich viele, es bei Model Pool zu versuchen. Wann haben sie eine Chance? Wann ist ein Mensch für eine Modelagentur interessant? Das hänge im wesentlichen von drei Faktoren ab, erklärt Sascha:

90-60-90 = Modelkarriere? So einfach ist das nicht. Dass die Maße stimmen, heißt nicht automatisch, dass ein Mensch für Magazincover und Laufstege geschaffen ist. Mindestens genau so wichtig ist das, was in Castingshows wie Germany’s Next Topmodel als „personality“ verschlagwortet wird. Etwas eigenes. Das können auch „Makel“ sein, zum Beispiel eine Zahnlücke oder abstehende Ohren.

Während die Wissenschaft also im Durchschnitt Schönheit erkennt, ist das in der Modewelt ganz anders. Je markanter, desto erfolgreicher. Das zeigen Models wie Cara Delevigne mit ihren breiten, stark betonten Augenbrauen. Die Toleranz gegenüber vermeintlichen Makeln ist dennoch begrenzt: Plus-Size-Models, die weit von gegen gängigen Maßen entfernt sind, sind auf Laufstegen und Magazincovern noch eher ein Statement als Alltag.