Schäuble hielt Gastvortrag an der RUB

Ein Beitrag von Nora Sonnabend

„Im fünften Krisenjahr – Was haben wir gelernt, was muss sich ändern?“ war der Titel des Vortrags von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an der RUB. Eine Veranstaltung nicht nur für Laien und Studenten, sondern auch Bänker. Die von der Vortragsreihe versprochenen „impulse“ blieben aber aus.

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Viele Studenten besuchten den Gastvortrag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die ersten drei Reihen waren allerdings für Bänker reserviert. Fotos: Nora Sonnabend

Taschenkontrolle am Hörsaalgebäude an der RUB. Nicht Alltag, sondern Sicherheitsvorkehrungen zum Gastvortrag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft. Interessierte mussten sich vorher für einen der rund 350 Plätze im Hörsaal anmelden, alle wurden vergeben. Dementsprechend viele Zuhörer warten auf Einlass.

Darunter auch Student Fabian Tuttmann. Er studiert Management & Economics im ersten Semester. Den Vortrag von Schäuble wollte er sich nicht entgehen lassen: „Ich erwarte vor allem, dass er was zur aktuellen Krise sagt. Er ist ja der, der in Deutschland am meisten Ahnung davon hat. Und ich erwarte auch, dass er ein bisschen erklärt – das ist ja auch alles nicht ganz einfach.“ Schäuble sagt selbst auch gleich zu Beginn des Vortrags: „Ich muss zugeben, dass ich kein übermäßiger Ökonom bin, ich habe mein Wissen nur aus dem Grundstudium.“

Finanzkrise für Fortgeschrittene

Als er dann aber knapp 50 Minuten über die Finanzkrise, ihre Auslöser, den jetzigen Stand der Dinge und die weiteren Folgen spricht, kommt es dem ein oder anderen Studenten doch eher vor, wie ein Vortrag, der nicht für ihn bestimmt ist. „Finanzkrise für Dummies“? Von wegen: Die ersten drei Reihen des nahezu vollen Vorlesungsaals sind mit Herren in schwarzen Anzügen besetzt. „Da waren echt ein bisschen viele Fragen von Bänkern“, findet auch Student Lukas Klein, Zweitsemester Management & Economics. Fünf Fragen werden nach dem Vortrag noch in einer kurzen Fragerunde unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Paul, Inhaber des Lehrstuhls, an Schäuble gestellt. Keine von Studenten.

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Prof. Dr. Stephan Paul moderierte als Gastgeber die Veranstaltung.

Erwartbar und ohne große Überraschungen verläuft der Vortrag: Schäuble spricht von Regeln und Grenzen, die gelten müssen, in einem freiheitlich-demokratischen System, denn er glaube noch an „so etwas altmodisches, wie die soziale Marktwirtschaft“. Rückblickend sagt er: „Die Politik musste retten, wozu die Finanzmärkte nicht in der Lage waren.“ Schäuble kündigt keine großen neuen Sprünge zur Stabilisierung des Euros an, sondern bekräftigt, dass er mit seiner Politik auf dem richtigen Weg sei. Er sagt die Politik habe nur schrittweise gelernt, aber im fünften Jahr nach der Finanzkrise hat er das Gefühl: „Wir sind weiter, als wir dachten.“ Die meisten europäischen Regierungen, so Schäuble, hätten in den letzten zwei Jahren mehr Entscheidungen getroffen, als vorher je erwartet. Als Fortschritte sieht er vor allem Schuldenbremse und Fiskalpakt. Und am System Euro hält er ausdrücklich fest. In einer globalisierten Welt stelle sich nicht mehr die Frage, ob eine gemeinsame Währung einen Nationalstaat brauche.

Krisenfestes Vokabular: „Nachhaltigkeit“

Der Vortrag vom Bundesfinanzminister ist kurzweilig – weil er kurz und knapp vorträgt, unterhaltend spricht und zwischendurch auch Witze macht, dem Zuhörer das Gefühl gibt, auch mal Einblick in seinen politischen Alltag zu gewinnen. Aber inhaltlich geht der Vortrag nicht in die Tiefe – es tauchen immer gleiche Stichworte auf, von „Nachhaltigkeit“ über „keine falschen Anreize“, eine Offenbarung, ein neues Verständnis der Finanzkrise haben sich Studenten umsonst erhofft.

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Fabian Tuttmann und Phillip Pieske bewerten den Vortrag unterschiedlich.

Fabian Tuttmann ist selbst CDU-Mitglied. „Parteipolitik hat Schäuble aber ja jetzt nicht gemacht.“ Trotzdem ist er zufrieden mit dem Vortrag. Sein Freund Phillip Pieske hätte mehr erwartet: „Der Vortrag war ganz in Ordnung, aber ich hätte gerne präzisere Antworten gehabt. Aber er ist halt ein Politiker.“ Daraus machte Schäuble während seines Vortrags aber auch kein Geheimnis: „Das ist die Überlebenstaktik eines Finanzministers: Fragen nicht zu spezifisch zu beantworten!“

Der Bundesfinanzminister appelliert aber auch an die Studenten selbst: „Die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft ist Ihre Sache!“ Schäuble ruft dazu auf, dass die Studenten Interesse für Wirtschaftspolitik entwickeln und sich einbringen. Er ist froh, dass so viele Studenten zum Vortrag gekommen sind: „Redner haben wir immer – Zuhörer brauchen wir.“ Aber wenn Schäuble die Studenten zur Mitgestaltung des Systems aufruft, wirft das die Frage auf, ob zuhören reicht. Ein, zwei Fragen aus ihren Reihen hätten auch Interesse signalisiert. Mitgestalten heißt ja auch mitreden. Aber vielleicht waren es auch die Herren in den Anzügen, die die Studenten eingeschüchtert haben.

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