Heiße Bälle und kühler Putt

Am Ende der Runde einen Durchschnitt von 1,5 Schlägen pro Bahn? Davon können die meisten Studenten nur träumen, wenn sie mal spontan zur Minigolfbahn fahren. Für Wolfgang Romero ist so ein Durchschnitt Alltag. Er spielt seit über 15 Jahren Minigolf und hat schon viele Titel gewonnen. Wir haben mit ihm über sein ungewöhnliches Hobby gesprochen und getestet, wie sich eine Hobbyspielerin im Duell gegen den Profi schlägt.

Bahn Herten BannerSamstagnachmittag, 15 Uhr, fast wolkenlosblauer Himmel und leichter Süd-Westwind: Beste Voraussetzungen für meinen Selbstversuch, in dem ich als absolute Amateurin gegen einen echten Minigolf-Profi antrete. Hierbei treffe ich auf keinen geringeren als den 26-jährigen Wolfgang Romero. Er arbeitet in Köln, spielt aber beim Verein für Minigolf (VfM) in Bottrop und ist dort auch Pressesprecher.

Mit ihm fordere ich den ehemaligen deutschen Vizemeister und amtierenden Westdeutschen Meister im Minigolf zum großen Duell. Zum Minigolf kam er in der Kindheit, als er viele Sportarten ausprobierte. Letztendlich haben ihm Fußball und Minigolf am meisten Spaß gemacht und als er merkte, dass seine „Karriere“ ganz gut anlief, entschied er sich für den Metallschläger und den kleinen Gummiball.

Solide Startphase

So macht´s der Profi: Wolfgangs Beinstellung ist zwar auffällig breit aber effektiv.

So macht's der Westdeutsche Meister: Wolfgangs Beinstellung ist zwar auffällig breit, aber effektiv. Foto: Lisa Weitemeier, Teaserfoto: flickr.com / Kevin Rodriguez Ortiz

Ich lasse natürlich dem Profi den Vortritt und möchte mir auf Bahn Eins erst einmal anschauen, wie es wirklich geht. Wolfgang ist schon seit Stunden auf der Anlage in Herten und trainiert mit seinem Team für das morgige Meisterschaftsspiel in der Minigolf-Oberliga. Schnell noch ein bisschen die Bahn mit einem speziellen Wischmopp sauber gewedelt und dann geht’s los!

Schon auf der ersten Bahn wird deutlich: Er hat’s definitiv drauf und spielt hier heute nicht das erste Mal! Mit einem „Ass“, also mit nur einem Schlag, locht er den Ball ein. Ich bin beeindruckt! Wobei, Bahn Eins verlangt dann sogar mir noch nicht viel ab. Den Ball ein paar Meter ohne Kurven und Huckel geradeaus zu spielen, bekomme ich eben noch so hin und bringe den Ball mit zwei Schlägen ins Loch. Nur einen Zähler hinter dem Favoriten, da ist doch noch alles drin!

Im Kampf mit den Hindernissen

Bereits auf den nächsten drei Bahnen zeigen sich dann doch beachtliche Unterschiede. Tückische Kanten, schmale Brücken und Tunnel in Blumenkästen sind dann doch nicht ganz so mein Ding. In seinem kleinen Koffer hat Wolfgang etwa 30 verschieden weiche und harte Gummikugeln – für jede Bahn einen speziellen Ball. Ich habe nur einen gewöhnlichen Besucherball für alle 18 Löcher. Bereits nach vier Bahnen erhöht sich der Abstand zwischen Wolfgang und mir auf acht Schläge.

Mein Selbstvertrauen schwindet nur so dahin. Allerdings fasst sich der 26-jährige Kölner ein Herz und nimmt mich zur Seite, um mir ein paar Tipps zu geben. Die nächste Bahn ist relativ kurvig und Wolfgang erklärt mir: „Hier kommt es darauf an, gefühlvoll zu spielen und die Banden mitzunehmen.“ Dann schauen wir mal. Trommelwirbel. Jawoll, da ist das Ding! Fürs Protokoll: Wolfgang (Westdeutscher Meister) braucht für Bahn Sieben zwei Schläge, Maren (vermeintliches Talent) braucht für Bahn Sieben, zwei Schläg. „Mensch, danke Wolfgang für deine Tipps“, schwärme ich und kann mein Glück noch gar nicht fassen.

Volle Kraft voraus

Die Herausforderin:Ehrgeizig und tief entschlossen, aber trotzdem keine Chance. Foto: Lisa Weitemeier

Die Herausforderin: Motiviert und entschlossen, aber trotzdem keine Chance. Foto: Lisa Weitemeier

Ein Blick auf unseren kleinen gelben Ergebniszettel holt mich dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Auf das nächste Hindernis freue ich mich schon die ganze Zeit lang. Schon von weitem hab ich den großen eingezäunten Halbkreis gesehen (ähnelt dem Käfig beim Kugelstoßen). Meine Hoffnung: „Endlich ma wat mit Schmackes!“ So falsch liege ich damit nicht. „Spiel ruhig kraftvoll“, bestätigt Wolfgang, „allerdings wenn möglich auf 6 Uhr!“ Wie, 6 Uhr?! Ist doch noch früh am Tag!

Zum Glück kriegt mein kleines blondes Köpfchen dann noch schnell die Kurve. Es geht natürlich um die Richtung, in die der Ball geschlagen werden soll. Ja klar, nichts leichter als das! Wolfgang legt mit einer Zwei vor und ich positioniere mit fest entschlossenem Blick den Ball auf dem Startpunkt, visiere die 6 Uhr an, fasse den Schläger fest, ziehe voll durch und „Pamm“! Na gut, der Zaun erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck, das habe ich soeben getestet. Allerdings wurde aus 6 Uhr eher Viertel vor 2 und der Ball ging natürlich auch nicht direkt ins Loch. Beim Putten bin ich bis jetzt aber gar nicht so schlecht und ziehe mit Wolfgang gleich.

Favorit und Herausforderin im Leistungstief

Die Wunderwaffe: Heiße Bälle aus der Socke sollen es richten!

Die Wunderwaffe: Heiße Bälle aus der Socke sollen es richten! Foto: Lisa Weitemeier

Nachdem ich jetzt zwei Bahnen lang genauso gut war wie er, wird der Profi scheinbar etwas nervös: Zeit für den ersten angewärmten Ball aus der Socke im Schritt! Ja, das machen die Minigolfer so, um die Bälle auf die richtige Temperatur zu bekommen. „Minigolf ist wahrscheinlich der einzige Sport, wo sich Leute, ohne dumme Blicke untereinander zu fangen, während des Turniers in den Schritt greifen“, beruhigt mich Wolfgang, als ich ganz schön blöd schaue. „Die Damen haben die Bälle sogar in ihren BH’s versteckt“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Leider wird es für mich jetzt Zeit für meine erste Sieben, die höchste Schlagzahl, die man auf einer Bahn beim Minigolf erreichen kann. In der Fachsprache sagt man auch „Otto“ oder „Glocke“ dazu. Ein absolutes Leistungstief holt mich ein. Ottos und Glocken am laufenden Band! Ob der Vulkan auf Bahn Zwölf, in dessen Krater ich die Kugel schießen soll, oder Bahn 15, auf der mich unzählige Ecken und Winkel fordern, oder, oder, oder. Es sieht ganz düster aus, der Sensationssieg rückt immer weiter in die Ferne. Aber auch Wolfgang runzelt etwas ratlos die Stirn. Er hat nämlich gerade sogar drei Schläge für meine Lieblingsbahn mit dem kleinen Vulkan gebraucht.

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Mit Bier kann alles besser werden

Jetzt ein kühles Bierchen, um wieder in die Gänge zu kommen, das wär’s doch! Wolfgang weist mich sofort in die Schranken: „Bier gilt beim Minigolf als Doping und Doping wird auf allen nationalen und internationalen Wettkämpfen streng kontrolliert.“ In meiner Verzweiflung schnappe ich mir „Wolles“ Wischmopp und versuche es zumindest mit einer gründlichen Politur von Bahn 16. Es gibt in jeder Runde insgesamt 18 Bahnen, das heißt, wir sind schon bei den letzten drei Bahnen angelangt.

Mensch, jetzt muss ich mich aber nochmal am Riemen reißen! Gar nicht erst auf die Zahlen starren, einfach spielen. Der Ball ist heiß und die Runde hat 18 Bahnen und außerdem ist das Spiel bekanntlich erst vorbei, wenn der letzte Ball ins Loch geplumpst ist. Ich bin immer noch total ins Wedeln vertieft, da ruft Wolfgang: „Pass auf, rechts ist tot!“ Immer diese Fachsprache. Ich hab doch keine Ahnung! Dabei bemerke ich gerade, dass er gar nicht mit mir, sondern mit einem seiner Teamkollegen fachsimpelt. Ich versuche rauszuhören, was die beiden Profis da über unsere nächste Bahn philosophieren, um den Trick eventuell anzuwenden.

Sogar der Wischmopp hilft nicht mehr weiter

Tipps und Tricks vom Profi: Wolfgang erklärt, wie es wirklich geht.

Tipps und Tricks vom Profi: Wolfgang erklärt, wie es richtig geht. Foto: Lisa Weitemeier, Bannerfoto: Maren Bednarczyk

Großartig lauschen brauche ich dann gar nicht mehr. Wolfgang ist so nett und erklärt mir mal wieder, worauf es auf Bahn 16 ankommt. „Spiel den Ball nicht in den Bereich rechts neben dem Loch“, sagt er, „da bleibt er dann liegen und hat keine Chance mehr, alleine reinzurollen.“ Wolfgang macht es natürlich mal wieder in Perfektion vor, angesetzt, kurz geschaut, geschlagen und zack, da rollt die Kugel im Zeitlupentempo von links rein ins Loch!

Das sieht bei ihm alles so unglaublich einfach aus! Mein Ball ist natürlich tot. Und weil ich vorher noch so fleißig die Bahn geputzt habe, kann ich jetzt noch nicht mal einer Blüte oder einem kleinen Stöckchen die Schuld am Rechtsdrall meines Balles geben. Obwohl ich gerade noch geträumt habe, spätestens jetzt muss ich ehrlich zu mir sein: Nur noch zwei Bahnen und Wolfgang führt uneinholbar!

Die große Abrechnung

Wolfgang macht noch zwei Asse für die Galerie und ich zeige mit einer Zwei auf der letzten Bahn zumindest, dass ganz tief in mir verborgen doch noch ein verdecktes Minigolf-Talent schlummern könnte. Am nächsten Tag telefoniere ich mit Wolfgang, um mich nach seinem Ergebnis beim Meisterschaftsspiel zu erkundigen.

Sein persönliches Ziel: um die 110 Schläge nach vier Runden in der Einzelwertung und mit der Mannschaft oben mitspielen. Das Resultat: dritter Platz mit der Mannschaft, in der Einzelwertung 108 Schläge in vier Runden, das macht im Schnitt 27 pro Runde, also sagenhafte 1,5 Schläge pro Bahn. Das Training am Vortag scheint ihm wohl doch etwas gebracht zu haben! Mir hat es das auf jeden Fall – bei der nächsten Runde mit Freunden bin ich klar im Vorteil.