Leere Ränge bei Podium zur NRW-Wahl an der TU

Wahlkampf im Audimax: Wenige Tage vor dem Urnengang in NRW diskutierten Vertreter von FDP, CDU und Grünen an diesem Montag an der TU Dortmund mit Studenten.  Auf der Tagesordnung standen ursprünglich die Themen Bologna, doppelte Abiturjahrgänge und die Semesterbeiträge. Doch die Diskussion konzentrierte sich ganz klar auf die Studiengebühren.

Geringe Werbung, großes Desinteresse: Knapp 100 Studenten besuchen die Podiumsdiskussion im Audimax. Alle Fotos: Caroline Biallas

Wenig Interesse an der Podiumsdiskussion: Knapp 100 Studenten kamen ins Audimax.Foto: Caroline Biallas

Leere Hörsaalreihen, schläfrige Stimmung: Vorne sitzen die Langtagsmitglieder Sigrid Beer (Grüne) und Klaus Kaiser (CDU) sowie Kandidat Lars Rettstadt (FDP) und sprechen über Sprachförderung in den Vorschulen und Integration von Migranten. Brav der Reihe nach tragen sie ihre Positionen vor, wenn Moderator Thomas Goll sie danach fragt. SPD-Landtagsmitglied Rainer Bovermann ist verhindert.

Streitfall Studiengebühren

Hitzig wird die Stimmung unter den knapp 100 Anwesenden erst etwas später – und zwar dann, als das Aufreger-Thema Nummer eins zur Sprache kommt: Studiengebühren. „Gerecht“ findet FDP-Kandidat Lars Rettstadt die Semesterbeiträge: „Irgendwann im Leben muss man auch mal Verantwortung übernehmen.“ 500 Euro seien zwar nicht wenig, jedoch ein „fairer“ Betrag, wenn man nebenbei mal ein bisschen kellnern gehe. Nach dem Studium hätten die Absolventen geregelte Einnahmequellen, deshalb seien Gebühren in Ordnung, erklärt Klaus Kaiser und vertritt damit die CDU-Position. Er ist sich sicher: Die Semesterbeiträge in Höhe von 500 Euro würden die angehenden Studenten nicht abschrecken. Es gebe ja genug Finanzierungsmöglichkeiten wie Kredite oder Stipendien.

Podium

Das Podium (von links): Sigrid Beer (Grüne), Moderator Thomas Goll, Klaus Kaiser (CDU) und Lars Rettstadt (FDP). Foto: Caroline Biallas

Ganz anders sieht das Grünen-Vertreterin Sigrid Beer: „In der Verdichtung des Bachelor- und Master-Systems ist es kaum möglich, nebenbei noch zu arbeiten. 500 Euro sind kein Pappenstiel!“ Viele angehende Studenten seien abgeschreckt durch die hohen Semesterbeiträge und hätten nicht den Mut dazu, sich zu verschulden. Die 250 Millionen Euro, die in NRW durch die Studiengebühren zusammenkommen, müsse in Zukunft wieder das Land zahlen, fordert Beer – und erntet dafür den tosenden Applaus der Zuhörer, jedoch scharfe Kritik von CDU und FPD: Woher das Geld genommen werden soll, wollen Kaiser und Rettstadt wissen. Beer schlägt vor, Haushaltgelder umzuschichten: So könnten zum Beispiel Flughafengebühren oder Wasserentnahmegelder künftig in Bildung investiert werden.

Konkrete Fragen – schwammige Antworten

Lehramtsstudent Phillip Brouwers: „Was passiert mit meinen Studiengebühren?“

Lehramtsstudent Phillip Brouwers: „Was passiert mit meinen Studiengebühren?“ Foto: Caroline Biallas

In der anschließenden Fragerunde fordert das Publikum vor allem mehr Transparenz: Lehramtsstudent Phillip Brouwers erklärt, er habe sich inzwischen damit abgefunden, Semesterbeiträge zu zahlen. Ihn störe jedoch nach wie vor die unklare Verwendung der Gelder: „In der Uni sind vielleicht die Wände weiß gestrichen, aber werde ich davon schlauer?“, fragt er.

Schwammig sind dagegen die Politiker-Antworten: „Wir haben wirklich keinen Spaß daran, Studiengebühren zu erheben. Aber wir wissen nicht, woher wir die Gelder sonst nehmen sollen“, sagt Klaus Kaiser (CDU). Und Lars Rettstadt (FDP) empfiehlt, sich an eines der Hochschulgremien zu wenden: „Die verteilen das Geld und da können Studenten auch mitwirken.“

Nach zwei Stunden Wahlkampf bricht Moderator Goll die Podiumsdiskussion ab und die Parteienvertreter dürfen noch in einem zweiminütigen Abschlussstatement erklären, warum man sie am 9. Mai wählen sollte. Danach dürfen die Studenten wieder in ihre Vorlesungen gehen – sie sind genauso schlau wie vorher.

Kaum Inhalte aufgegriffen

Viele Inhalte seien ihnen nicht vermittelt worden, finden David Kus und Robert Lutz, die gerade ihr Abitur machen: „In erster Linie haben die Parteienvertreter geredet, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde. Stattdessen hätten sie lieber sagen sollen, was zukünftig besser laufen soll.“

An die Uni möchten die beiden nach dem Abitur aber trotzdem. Bauingenieurwesen soll es sein, da sind sich Kus und Lutz ganz sicher. Die Studiengebühren nehmen sie dafür in Kauf.

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