Warum Studenten Blut spenden sollten

Ein Beitrag von Julia Knübel

Dass Blutspenden irgendwie wichtig ist, weiß jeder. Und spätestens seit Doktor House hat auch jeder schon mal eine Blutkonserve gesehen. Doch wer kann eigentlich spenden? Und wo?  Und wie läuft so eine Spende ab? Das Deutsche Rote Kreuz war am Berufskolleg in Hacheney und hat die Schüler dort zum Spenden motiviert. Bald sind die Rot-Kreuz-Helfer auch wieder an der Uni Dortmund. Warum man dort vorbeischauen sollte.

Dr. Theodore Wienecke ist Ärztin und unterstützt das Deutsche Rote Kreuz seit 20 Jahren bei Blutspendeterminen. Fotos: Julia Knübel

Dr. Theodore Wienecke ist Ärztin und unterstützt das Deutsche Rote Kreuz seit 20 Jahren bei Blutspendeterminen. Fotos: Julia Knübel

Der Wunschspender von Frau Dr. Theodore Wienecke wiegt mindestens 50 Kilogramm, ist älter als 18, hat eine Körpertemperatur zwischen 36 und 37,5 Grad und einen Puls von 50 bis 110 Schlägen pro Minute. Theodore Wienecke unterstützt seit mehr als 20 Jahren das Rote Kreuz bei Blutspende-Aktionen. Als Ärztin überwacht sie die Blutabnahme und schreitet ein „wenn jemandem mal schwindelig wird“.

Mehrmals die Woche ruft das Rote Kreuz zum Blutspenden auf. Am heutigen Freitag waren die Helfer im Paul-Ehrlich-Berufskolleg in Dortmund Hacheney unterwegs, um die Schüler dort zum Spenden zu motivieren. Ob die aber alle Wunschkriterien erfüllen, wissen sie selbst nicht. „Keine Angst“, meint Theodore Wienecke, „diese Werte hat jeder gesunde Mensch. Wer keine schwerwiegende Erkrankung hat, kann spenden.“

Jeder Erstspender bekommt einen Ausweis

Die meisten Schüler sind gerade erst volljährig geworden und Erstspender. Sie müssen einen Fragebogen ausfüllen und ihre Personalien angeben. So fragen die Helfer mögliche Vorerkrankungen ab und die Spender bekommen einen Ausweis. Bei der nächsten Spende muss der dann nur noch vorgezeigt werden.

500 Milliliter Blut laufen in fünf bis zehn Minuten in die Konserve.

500 Milliliter Blut laufen in fünf bis zehn Minuten in die Konserve.

Im nächsten Schritt werden Temperatur und Blutdruck gemessen und der Hämoglobinwert im Blut bestimmt. „Wir müssen prüfen, ob der Spender zu einer Spende gesundheitlich in der Lage ist“, erklärt die Ärztin. Ist das sicher, geht es zur Blutspende. Die dauert ungefähr fünf bis zehn Minuten. Und danach wird gefrühstückt. Schließlich hat der Körper nun die Aufgabe, das abgenommene Blut zu ersetzen. Für die immerhin 500ml braucht ein Mensch im Schnitt vier Wochen.

Damit endet die Aufgabe des Spenders. Die Ärzte schicken das Blut ins Labor. Heute geht das Blut nach Hagen. Im Labor wird es untersucht und die roten Blutkörperchen werden vom Blutplasma getrennt. Frau Wienecke erklärt: „Wir geben dem Patienten immer nur das, was er auch braucht. Durch die Untersuchung verhindern wird, dass der Empfänger negativ auf das Blut reagiert, etwa weil noch Antikörper vom Spender vorhanden sind.“ Nach dem Laborcheck wird das Blut an die umliegenden Krankenhäuser verteilt. Eine Blutkonserve hält sich bis zu 49 Tagen, danach sind die roten Blutkörperchen abgestorben und die Spende kann nicht mehr verwendet werden. Aber so lange hält eine Konserve sowieso nicht. Nach ein paar Tagen wird die Spende fast immer gebraucht. Die meisten Blutkonserven bekommen Tumorpatienten. Bei Krebserkrankungen wird durch die Strahlentherapie die Blutbildung beeinträchtigt. Wenn der Körper nicht mehr genug eigenes Blut produzieren kann, kommt die Spende zum Einsatz. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden viele Konserven benötigt. Nur einen Bruchteil brauchen Ärzte bei Verletzungen, etwa bei Unfallopfern.

Am Anfang jeder Blutspende muss eine Vene gefunden werden. Bei dieser Schülerin war das gar nicht so einfach.

Am Anfang jeder Blutspende muss eine Vene gefunden werden. Bei dieser Schülerin war das gar nicht so einfach.

Junge Spender sind gesucht

„Wegen Konservenmangel wird auch schon mal eine OP verschoben, aber für Notsituationen haben wir immer genug da“, sagt Frau Wienecke und ruft damit gleichzeitig zu mehr Spenden auf. „Besonders junge Leute suchen wir, weil die lange und kontinuierlich spenden können.“ Wer spenden will, muss vor allem gesund sein. „Und das ist bei jungen Leuten nun mal eher gegeben.“ Schon ein Schnupfen kann dazu führen, dass die Helfer den Spender bitten müssen beim nächsten Mal wieder zukommen.

Das Deutsche Rote Kreuz ist auch immer wieder an der Uni unterwegs. Letzte Woche konnten Studenten an der TU Dortmund Blut spenden. Und die Resonanz war gut. „Bis zu 90 Spender sind pro Tag gekommen“, sagt Gerda Tillmann vom DRK-Kreisverband Dortmund. Die nächsten Termine sind im April. Frauen dürfen vier Mal im Jahr spenden, Männer sechs Mal. Danach richtet das Rote Kreuz die Termine aus.

Jeder hat andere Gründe spenden zu gehen

Die Motive zum Spenden sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche wollen anderen Menschen helfen oder kommen aus Gewohnheit immer wieder. Auch die preiswerte Blutuntersuchung wird als Grund angeführt. Die Schüler am Berufskolleg wollen einfach Gutes tun und „die Freistunde mitnehmen, ist doch klar.“ Alexander Kopatz grinst, als er das sagt. Er hat zum ersten Mal gespendet. „Vielleicht brauche ich ja selbst mal Blutkonserven und dann bin ich froh, wenn andere gespendet haben.“

Die Empfänger bekommen je nach Erkrankung zwischen zwei und zwanzig Konserven. Eine Konserve enthält zirka 250-300 Milliliter. Das entspricht der Menge an roten Blutkörperchen, die ein Spender abgegeben hat. Blut von nur einer Konserve kann der Körper selbst nachbilden, erst ab dann muss Blut zugeführt werden.

Die Spender am Berufskolleg schauen anfangs noch etwas skeptisch, sind sich dann aber einig, dass Blutspenden gar nicht so schlimm ist. „Schließlich sind wir Lebensretter.“


Was TU-Studenten über’s Blutspenden denken:

Myrel Alsayegh.

Myrel Alsayegh.

Myrel Alsayegh, 26, studiert im 1. Mastersemester Automation and Robotics:

„Ich finde Blutspenden wichtig, denn vielleicht brauche ich ja auch mal eine Spende. Ich war schon drei Mal Blut spenden, in meiner Heimat in Syrien. Eine meiner Freundinnen war letzte Woche hier an der Uni, aber da war ich noch nicht in Deutschland.“

Jan Trost.

Jan Trost.

Jan Trost, 22, studiert Logistik im 3. Semester:

„Ich habe noch nie Blut gespendet. Ich habe gehört, dass man danach nicht mehr so leistungsfähig ist und dazu habe ich im Moment einfach keine Zeit, weil ich lernen muss.“

Sabrina Schützmann.

Sabrina Schützmann.

Sabrina Schützmann, 20, studiert im 1. Semester Lehramt Mathe und Philosophie:

„Ich bin noch nicht zum Blutspenden gekommen, weil ich sehr viel krank bin. Aber wenn ich im April gesund bin, dann werde ich auf jeden Fall zum Spendentermin an der Uni gehen.“

Patrick Schramowski.

Patrick Schramowski.

Patrick Schramowski, 21, studiert im 2. Semester Informatik:

„Ich war schon sechs Mal Blut spenden. Angefangen habe ich in meiner Bundeswehrzeit und jetzt gehe ich regelmäßig in die Klinik am Westenhellweg. Dort bekomme ich 20 Euro für’s Spenden, aber das ist für mich nicht der Hauptgrund. Wenn ich mal auf eine Spende angewiesen bin, wünsche ich mir ja auch, dass jemand gespendet hat.“

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