Der Halo-Effekt: Fliehen wir in eine Scheinwelt?

Realität zerstört das Wunschbild

Alles super also? Nein, es gibt ein Problem: Wenn man mit der Realität konfrontiert wird, werden einem auch die Nachteile bewusst. Man geht mit der Frau mit den tollen blauen Augen und den großen Füßen Schuhe kaufen – alle Umstehenden bekommen einen Lachkrampf. Oder das Kind muss mit dem Hund hinaus – auch bei Regen. Jetzt verwischt das durch den Halo-Effekt entstandene, stimmige Bild. „Das, was man vorher so toll fand und unbedingt haben wollte, wird plötzlich auch negativ erlebt“, beschreibt Wottawa.

Doch der Halo-Effekt kann auch Vorteile haben. Wenn man etwas mit voller Begeisterung unterstützen will, ist es praktisch wenn die Nachteile durch den Halo-Effekt automatisch verdrängt werden. Sonst wären wir zum Beispiel nie auf die Mammutjagd gegangen. Wenn man da angefangen hätte über die Risiken nachzudenken, hätte das nicht geklappt.

Keine Dissonanzen, aber eine Scheinwelt

Wenn wir etwas durch die rosarote Brille sehen, nehmen wir nur die Vorteile wahr. Negatives wird ausgeblendet. Foto: gesad/pixelio

Wenn wir etwas durch die rosarote Brille sehen, nehmen wir nur die Vorteile wahr. Negatives wird ausgeblendet. Foto: gesad/pixelio.de

Trotzdem kann es ratsam sein, vermeintliche Leidenschaften, Interessen und Neuanschaffungen (vorab) zu hinterfragen: Mache ich mir vielleicht ein homogenes Bild, das bei genauerer Betrachtung gar nicht mehr stimmt? Suche ich zum Beispiel bei Testberichten nur diejenigen, die mein Wunschbild über dieses Produkt bestätigen?

Wenn einem auffällt, dass man Testberichte nur noch selektiv liest, wenn man bemerkt, dass man – und da ist Google ein großes Problem – nur noch politische Artikel rezipiert, die die eigene Meinung verstärken, dann sollte ein Warnlämpchen leuchten. Es ist schön, dass ich Dissonanz vermeide, aber möchte ich mich in eine Scheinwelt flüchten?

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