Peeple: Gefahr für das soziale Miteinander

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Die neue Smartphone-App „Peeple“ soll uns die Möglichkeit geben, unsere Mitmenschen so einfach zu bewerten wie ein Restaurant oder Hotelzimmer. Maximal können fünf Sterne für drei verschiedene Kategorien vergeben werden. Geht gar nicht, findet Riem Karsoua.

Darum geht's

Im November wollen zwei Kanadierinnen die App „Peeple“ in den USA veröffentlichen. Das Prinzip dieser App ist simpel: Ähnlich wie bei Produkt- oder Restaurantbewertungen werden hier fünf Sterne vergeben, allerdings für die Menschen in unserem Umfeld. Hierfür gibt es drei verschiedene Kategorien: beruflich, persönlich und romantisch. So sollen sich Menschen nach Angaben der Entwicklerinnen im Netz einen guten Ruf erarbeiten und ihre Qualifikationen ausweisen können.

Die App erntet jedoch eine Menge Kritik. Der Bewertete bekommt nämlich lediglich eine Benachrichtigung, dass er bewertet wurde. Bei einer negativen Bewertung müsste er seinen Kritiker davon überzeugen, seinen Kommentar zu löschen. Gelingt ihm das nicht, geht sie nach 48 Stunden online und bleibt ein Jahr lang auf der Plattform.

Die Zielgruppe von Julia Cordray und Nicole McCollough scheint ziemlich klein zu sein. Auf Kritik an ihrer App „Peeple“ erwidern die beiden Entwicklerinnen am liebsten, diese sei doch prima dazu geeignet, um zu prüfen, ob der Babysitter eigentlich wirklich so vertrauenswürdig ist, wie er wirkt. Fünf-Sterne-Mensch = guter Babysitter?

Mehr Nachteile als Vorteile

Für die meisten anderen Menschen hat die App definitiv mehr Vorteile als Nachteile. Denn die Bewertung einer Person geschieht ohne ihre Einwilligung. Möchte ihr jemand schaden, kann Peeple schnell zu einem öffentlichen Pranger werden. Ob die Kritik gerechtfertigt ist, kann keiner überprüfen. Dies kann sehr schnell dazu führen, dass die Person sehr viel Kritik erntet, die sie möglicherweise nicht verdient. Zwar kann der Kritiker noch umgestimmt und davon überzeugt werden, die Bewertung zu löschen, aber wenn dies nicht gelingt, bleibt die Bewertung für ein Jahr auf der Plattform bestehen. Es sei denn, der Kritiker selbst löscht sie.

Gerade bei negativen Bewertungen kann das dazu führen, dass das Selbstbewusstsein sehr stark abnimmt. Außerdem kann diese Plattform mit der Möglichkeit andere Menschen negativ zu bewerten sehr schnell zu Mobbing führen. Die Konsequenzen: Die betroffenen Personen kapseln sich irgendwann einmal komplett von der Gesellschaft ab und tragen psychische Schäden davon.

Bewertungen für Produkte, Geschäfte oder Restaurants sind etwas anderes

Dass es für uns normal geworden ist, Produkte, Geschäfte oder Restaurants zu bewerten, heißt nicht, dass wir es auch mit Menschen tun sollten. Hinzu kommt auch noch, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass diese Bewertungen immer der Wahrheit entsprechen werden. Ich denke nicht, dass jemand seine eigenen Freunde mit wenigen Sternen bewerten wird, obwohl er weiß, dass sie manchmal kompliziert oder nervig sein können. 

Probleme könnte es auch bei der Jobsuche geben. Wenn sich diese App verbreiten sollte, könnte es durchaus vorkommen, dass der zukünftige Vorgesetzte vor oder nach einem Vorstellungsgespräch diese Plattform nutzen wird, um zu überprüfen, wie der Bewerber auf sein Umfeld wirkt.

Dass so eine zu Unrecht gegebene Bewertung sehr schnell rufschädigend wirken kann, ist daher nicht auszuschließen. Anders als etwa bei Facebook, können wir nicht selbst bestimmen, was wir über uns preisgeben. Peeple nimmt uns das Heft des Handels aus der Hand. Negative Kommentare kann man nicht einfach löschen. Und selbst wenn sich die Differenzen zwischen Kritiker und Bewertetem gelegt haben, kann solch eine Bewertung online bleiben und in der Zukunft weiterhin für Probleme sorgen. Immerhin bleibt die Bewertung für ein Jahr gespeichert. 

Wie schnell reagiert der Anbieter wirklich auf Beleidigungen?

Laut den Nutzungsbedingungen in der App soll es verboten sein, Menschen zu beleidigen oder allzu persönliche Bewertungen preiszugeben. Hierbei kommt aber die Frage auf, wie schnell der Anbieter reagiert und solche Beiträge löscht, wenn sie von einem Nutzer gemeldet wurden. Als Konsequenz soll der Nutzer, der gegen die Regeln verstößt, aus der App verbannt werden.

Ich denke aber, dass man auch für diese Hürde einfach umgehen kann. Da man sich mit seinem Facebook-Profil anmelden muss, kann man sich ganz einfach ein neues Profil erstellen, falsche Daten angeben und somit die App weiterhin nutzen. Fake-Profile sind in unserer Zeit schließlich keine Seltenheit mehr. 

Eine Bewertung von eins bis fünf kann für irgendwelche Produkte vielleicht ganz gut sein. Aber dass man nun auch Menschen in so einfache Kategorien steckt, ist meiner Meinung nach rücksichtslos. So werden Gefühle verletzt und auf einem Menschen einfach herumgetrampelt. Diese App bietet – anders als Facebook, Twitter oder WhatsApp – keinen Mehrwert, sondern ist eine Gefahr für das soziale Miteinander.

Beitragsbild: Esther Vargas/flickr.com

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