Wissenswert: Die “5-Sekunden-Regel”

von Inga Wonnemann

Wenn es morgens knapp wird, nehmen wir unser Frühstück gerne mal auf der Hand mit Richtung Uni. Da kann es dann schon einmal passieren, dass das mühevoll geschmierte Käsebrot in der morgendlichen Hektik herunterfällt. Alles halb so wild, sagt die 5-Sekunden-Regel (alternativ als 3-Sekunden-Regel bekannt): Liegt das Käsebrot nicht länger als 5 Sekunden auf dem Boden, können wir es angeblich bedenkenlos essen. Aber stimmt das eigentlich?

… und es fällt immer auf die beschmierte Seite. Essen sollte man dieses Butterbrot eh nicht mehr - denn über die glatte Oberfläche der Fliesen können besonders viele Bakterien am Brot haften. Foto: Henrik Veldhoen

… und es fällt immer auf die beschmierte Seite. Essen sollte man dieses Butterbrot eh nicht mehr – denn über die glatte Oberfläche der Fliesen können besonders viele Bakterien am Brot haften. Foto: Henrik Veldhoen

Es klingt nach einem Riesenspaß: Studenten der Aston University in England haben Toast, Nudeln, Kekse und klebrige Süßigkeiten auf den Boden geworfen und dann geschaut, wie viele Bakterien sich danach auf den Nahrungsmitteln tummeln. Auf Essen, das weniger als 5 Sekunden auf dem Boden lag, haben sie weniger Bakterien gezählt, als auf Essen, das 30 Sekunden auf dem Boden lag. 

Außerdem untersuchten die Studenten, auf welchem Boden sich Bakterien schneller auf den Nahrungsmitteln niederlassen. Getestet haben sie Teppich, Fliesen und Laminat. Dabei ging der Teppich als klarer Sieger hervor. Hier haben die Studenten am wenigsten Bakterien gezählt.

“Durch die Struktur der Teppichfasern gibt es nur wenige Kontaktpunkte für die Nahrungsmittel, während sie bei Laminat oder Fliesen direkt in vollen Kontakt mit der Oberfläche kommen”, erklärt Dr. Sonja Albers vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Mehr Kontakt zur Nahrungsoberfläche bedeutet mehr Kontakt zu den auf dem Boden lebenden Bakterien. Die wenigsten Bakterien saßen bei der Untersuchung demnach auf Nahrungsmitteln, die auf Teppich gelandet waren und dort nicht länger als 5 Sekunden lagen.

Professor Sören Gatermann von der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie der Ruhr-Universität Bochum sieht die Tests der britischen Studenten allerings kritisch, egal auf welchem Untergrund Nudeln und Co. landen: “Diese Regel ist ohne Bedenken Blödsinn. Sie würde voraussetzten, dass alle Böden gleich kontaminiert wären und das trifft sicher nicht zu. Außerdem fragt es sich, welche Bakterien sich überhaupt auf dem Boden tummeln.” Befinden sich zum Beispiel Salmonellen auf dem Boden, spiele es keine Rolle, ob das Essen schon nach 5 oder erst nach 30 Sekunden aufgehoben wird. Essen solle man es dann auf keinen Fall.

Die Aston University in England - hier testeten Studenten, wie schnell die Bakterien vom Fußboden auf's Essen kommen. Foto: Elliot Brown / flickr.com - creative commons license

Die Aston University in England – hier testeten Studenten, wie schnell die Bakterien vom Fußboden auf’s Essen kommen. Foto: Elliot Brown / flickr.com – creative commons license

Professor Lothar Dunemann, Direktor des Hygiene-Instituts des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen, bezeichnet die Regel sogar als “hygienische Katastrophe” – vor allem, wenn das Essen, das auf den Boden fällt, klebrig ist: “Wenn ich mir vorstelle, dass ein mit Brotaufstrich belegtes Brötchen ‘in den Dreck fällt’, würde ich vom Verzehr dringend abraten, da unvermeidlich Schmutz am Brotaufstrich haften bleibt – und der transportiert die darin enthaltenen Bakterien in den menschlichen Körper völlig unabhängig von der Kontaktzeit.”

Und auch Professor Anthony Hilten, der die Untersuchung der Studenten begleitet hat, gibt zu: “Der Konsum von auf den Boden gefallenen Nahrungsmitteln birgt trotzdem ein Infektionsrisiko, da es sehr darauf ankommt, welche Bakterien sich zu dieser Zeit auf dem Boden befinden.”

Klebrige Nahrungsmittel wie Nudeln oder Marmeladenbrötchen sollten besser nicht mehr gegessen werden. Bei Keksen sei das Risiko geringer, da die Bakterien nicht so gut an der trockenen Oberfläche haften. Obst, zum Beispiel Äpfel, sollte noch einmal kurz abgewaschen werden, bevor es gegessen wird. 

Wenn uns also das nächste Mal ein Käsebrot auf den Boden fällt, sollten wir zuerst einmal überlegen, wann wir das letzte mal die Küche geputzt haben. Und bis uns das wieder eingefallen ist, sind die 5 Sekunden wahrscheinlich schon rum.

1 Comment

  • Markus sagt:

    Was stimmt denn nun eigentlich? Die einen sagen, dass es nicht stimmt, während sich andere auf Studien berufen, bei denen es doch stimmt.

    Ziemlich verwirrend das Ganze. 🙂

    Grüße
    Markus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.