„Donots“-Gitarrist: Eben noch im Flieger, dann in der Prüfung

Alex Siedenbiedel ist Gitarrist der deutschen Alternative-Rockband „Donots“, die für Songs wie „Stop the Clocks“ und „Calling“ bekannt ist. In der neuen Folge der pflichtlektüre-Serie „Vom Studenten zum Prominenten“ erzählt Alex, wie er sich als Student und Musiker zerteilen musste – erspart uns aber abgehoben-eitle Jetlag-Geschichten.

Alex Siedenbiedel ist Gitarrist der Band "Donots". Foto: PR

Alex Siedenbiedel ist Gitarrist der Band "Donots". Foto: PR

Alex, welche ist deine beste Erinnerung an die Uni?

Nicht sehr repräsentativ, aber gleichzeitig am schönsten und am unsinnigsten waren im allerersten Semester die Veranstaltungen zur „Einführung in die EDV“ montagmorgens um 7.30 Uhr in einem 800 Menschen fassenden Hörsaal. Jeweils ungefähr 50 Kommilitonen quälten sich zu diesem Event des gemeinsamen Hochschul-Schlummerns, was viele freie Plätze bedeutete. Und da es im Hörsaal keine Fenster gab und zur Benutzung des Beamers zusätzlich das Saallicht ausgeschaltet werden musste, hieß es  kurz nach Veranstaltungsbeginn immer und immer wieder: Vier Sitze in Reihe heruntergeklappt, hingelegt, Augen zu und beim monotonen Gesäusel über Bits und Bytes wegdösen. Herrlich.

Und welche deine schlimmste?

Immer wieder kam es vor, dass ich mich in einem Fach ein halbes Jahr lang auf die abschließende Klausur am Semesterende vorbereitet hatte, nur um kurz vor der Ziellinie festzustellen, dass eben jener Klausurtermin für mich nicht einzuhalten war: Kurzfristig am selben Tag stattfindende Konzerte lassen sich nur schwer – München – bis gar nicht – Japantour – mit Überprüfungen des Lernerfolges in Münster kombinieren. In einem Semester zeichnete sich die nächste unsägliche Kombination „Mit Band auf Tour“ und „Klausurwochen an der Uni“ durch besondere Zeitgleichheit aus – was für mich das Ausfallen von fünf Klausuren bedeutet hätte. Zu ärgerlich, um es einfach hinzunehmen. Also biss ich in den sauren Apfel und pendelte. Das lief dann zum Beispiel so: Abends Konzert in Stuttgart, von der Bühne, mit dem Zug über Nacht nach Münster, morgens Klausur an der Uni, weiter zum Flughafen, Flug nach Portugal,  Konzert, danach direkt wieder zum Flughafen und zurück nach Münster, nächste Klausur. Und so weiter und so weiter. Konzentration geht anders – womit im Ergebnis nicht nur mein Biorhythmus Beschwerde bei mir einreichte, sondern auch drei der fünf Klausuren in die Hose gingen.

Wie warst du als Student? Beschreib‘ dich in drei Wörtern.

Selten vor Ort.

Was hast du am Studentenleben am meisten genossen?

Ganz allgemein habe ich es genossen, wenn ich schlicht und ergreifend die Möglichkeit hatte, an Vorlesungen teilzunehmen – was wie gesagt aufgrund der Bandaktivitäten eher selten der Fall war. Das Tolle für mich war daran, dass es sich dort um komplett andere Inhalte drehte. Ich traf andere Menschen, führte andere Gespräche. Und genau dieses Abschalten des (für sich genommen wirklich sehr tollen) „Musik-Alltags“ war für mich immer eine willkommene und erholsame Abwechslung.

Welche Tipps gibst du uns Studenten?

Vor allem sollte man es mit der Studiergeschwindigkeit nicht übertreiben. Als Student bekommt man so endlos viele über das eigentliche Studieren hinausgehende (Bildungs-) Möglichkeiten geboten, da wäre es nahezu eine Schande, mit sturem Blick nach vorne durch die Unizeit zu rennen und sich nie in Ruhe umgeschaut zu haben. Also orientiert euch und nehmt euch die Zeit, euren persönlichen Horizont zu erweitern – denn letzten Endes stellt ihr hier die Weichen für euer Leben.

Alex‘ Uni-Steckbrief:

Universität: Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster, Fächer: Wirtschaftswissenschaften, BWL (Schwerpunkte Marketing, Wirtschaftsinformatik), Semesteranzahl: 15, Abschluss: Diplom / Master of Science in Business Management (MScBM)

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