tumblr.-Blogs erobern das Netz

Barack Obama checkt deine E-Mails und Georgina posiert vor Katastrophen. Was haben die beiden Personen gemeinsam? Sie sind das zentrale Thema eines tumblr.-Blogs.

tumblr. – was aussieht wie eine Abneigung gegen Vokale, ist in Wirklichkeit eine Plattform für Blogger. Die Nutzer bekommen, nachdem sie sich bei tumblr. registriert haben, einen eigenen Blog zugewiesen. Auf diesem können sie allerlei Dateien hochladen: Fotos, Videos, Texte, Audiospuren, Chat-Protokolle (in Geek-Deutsch auch ‘Chatlogs’ genannt) oder aber gewöhnliche Textdateien oder Links. Weil die hochladbaren Dateien auf kein Format beschränkt sind, bieten tumblr.-Blogs die entsprechende Themenvielfalt des Social Webs. Humor, ernsthafte Themen, Fotographie, Kitsch. Hier gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Die tumblr.-Blogs liegen gerade schwer im Trend. Vor allem durch die Reihe “When you live in … “ dürfte tumblr. sich einen Namen gemacht haben. Das Prinzip dieser Reihe ist simpel. Es werden bestimmte Situationen oder Phänomene anhand einer GIF-Datei – einer kurzen Sequenz mehrerer Einzelbilder – beschrieben, denen man schmunzelnd zustimmt, wenn man eben in … wohnt. Müßig zu erwähnen, dass anstelle der drei Punkte einfach der Name einer Stadt eingesetzt wird – zum Beispiel Dortmund. Die dazugehörige Internetadresse lautet whenyouliveindortmund.tumblr.com. So ist das im Übrigen immer: Auf den Namen des Blogs folgt ein Punkt (.) und dann ein tublr.com – und fertig ist die Webadresse.

Und so sieht das Ganze dann aus. Beispiel von whenyouliveindortmund.tumblr.com (Screenshot: David Freches)

Und so sieht das Ganze dann aus: whenyouliveindortmund.tumblr.com (Teaserfoto: Screenshot: tumblr.)

Doch warum sind die tumblr.-Blogs so erfolgreich? Einer, der es wissen muss, ist der mit knapp 8.000 Twitter-Followern gesegnete Medien-Tausendsassa, Radiomoderator und Internetexperte Daniel Fiene. Er macht die crossmedialen Radiosendungen „Was mit Medien“ und „Sendung mit dem Internet“. Letztes Jahr war Daniel Fiene übrigens bei “Zoom – Das Mediencafé” zu Gast.  Er hat sich den Fragen von pflichtlektuere.com gestellt:

pflichtlektuere.com: Hallo Daniel. Wie erklärst Du Dir den Erfolg der tumblr.-Blogs?

Daniel Fiene: Bei tumblr. ist ein ganz eigenes Ökosystem im Internet entstanden.Vergleicht man das Internet mit einem Land, ist tumblr. eine junge, florierende Stadt, in der viele Gesellschaftsschichten und Interessensgruppen nebenher existieren – und das ohne groß unter der Beobachtung des ganzen Landes zu stehen. Medien und Journalisten haben bisher tumblr. komplett verpennt. Es gibt einige Medienmarken, die seit Jahren sehr aktiv sind, und versuchen, die tumblr-Nutzer auf die eigenen Angebote zu lenken. Das wird aber noch zu wenig gemacht.

Daniel Fiene (Foto: Privat)

Daniel Fiene (Foto: Stephan Röhl)

Woher kommt dieser Trend und seit wann stehen die Blogs im Fokus?

Ich glaube hier konnte sich eine junge Generation ungestört austoben. Du
musst kein Programmierer sein, um einen tumblr.-Blog zu befüllen. Das ist ein
wichtiger Faktor. Aber auch das einfache Teilen von Inhalten hat die
viralen Effekte so verstärkt, dass tumblr. gut funktioniert.

Das Prinzip ist ja recht simpel, da ja meisten „nur“ Fotos oder GIFs mit wenig Text verarbeitet werden. Warum wird das trotzdem so gerne angenommen?

Auch tumblr. funktioniert wie Twitter und Facebooks über eine Timeline.
Entweder die des Blogs, oder die persönliche Timline, in der die frischen
Inhalte von Blogs abgebildet werden, denen man folgt. Da eignet sich ein
Foto im Vorbeiscrollen viel besser als ein epischer Text. Im Social Web
gilt halt: In der Kürze liegt die Würze.