Vom Hörsaal hinters Lehrerpult

Unterricht vorbereiten, Klausuren korrigieren, Elternsprechtag und Notenvergabe: Für viele angehende Lehrer ist es schwierig, all das unter einen Hut zu kriegen. Ein neues Modell im Studium soll helfen. Wir haben für euch mit Lehrern und solchen, die es werden wollen, gesprochen.

Mathe vermitteln: Kein einfacher Job.

Mathe vermitteln: Kein einfacher Job. Foto: flickr.com/Eric Wästenhagen

„Es war total spannend, die erste Unterrichtsstunde vorzubereiten. Ich habe alles total gewissenhaft und ganz genau aufgelistet“, erzählt Tobias Mechnig. Das erste Mal vor 30 Fünftklässlern zu stehen und ihnen Themen der Sozialwissenschaften näher zu bringen, war für Tobias Mechnig alles – nur nicht einfach.

Vor zwei Jahren hat der angehende Lehrer für Religion und Sozialwissenschaften sein Referendariat an einer Gesamtschule in Dortmund begonnen. Inzwischen steht er kurz vor der Abschlussprüfung. Sein Lehramtsstudium hat Tobias an der TU in Dortmund absolviert. Das Unterrichten aber hat er ausschließlich durch praktische Erfahrungen gelernt.

Praxis erst im Referendariat

Wie Unterricht gestaltet wird, lernen die angehenden Lehrer bisher erst im Referendariat nach dem Studium. Denn im Bachelorstudium liegt der Schwerpunkt auf den Fächern, die an der Schule unterrichtet werden sollen. Zwar müssen auch bildungswissenschaftliche Seminare belegt werden, doch Silke Jäckel, Lehramtsstudentin im Master, war das im Bachelor noch nicht genug. „Es war allgemein gehalten und nicht so sehr für den konkreten Umsatz in der Schule. Ich kann jetzt nicht sagen, ich lerne das, was ich im Unterricht auch umsetzen kann.“

Konkret auf Erziehungswissenschaften und Schuldidaktik ausgerichtet sind die Vorlesungen und Seminare erst im Master. Dann geht es darum, den Umgang mit Kindern in der Schule zu lernen und ihnen das Fach zu vermitteln.

Im Referendariat alles unter einen Hut zur kriegen, war am Anfang nicht leicht für Tobias – und kostete Zeit. „Nach sieben Monaten war es dann so, dass man angekommen ist und man gesagt hat, jetzt steh ich voll da drin“, erzählt er. Während des Studiums waren ihm die Praxisphasen zu kurz. Im Bachelor sind es bisher vier, im Master zwei Wochen.

Das neue Modell: Früher in die Praxis

Jennifer Sloane berät Lehramt-Studierende der TU. Foto: TU Dortmund

Jennifer Sloane berät Lehramt-Studierende der TU. Foto: TU Dortmund

Für Studenten, die im Wintersemester 2011 ihr Studium begonnen haben, ist die Verteilung von Theorie und Praxis im Lehramtsstudium nun anders geregelt. Nun gilt das neue Lehramtsausbildungsgesetz von 2009. Dieses neue Modell sieht eine Praxisphase von fünf Monaten im Master vor und ein Eignungspraktikum vor dem Studium. „Es hilft natürlich sehr, wenn ich vor Studienbeginn in ein Praktikum gehe und vielleicht auch merke, Lehrer sein ist doch nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Es ist sinnvoller, das vor Studienbeginn oder im ersten Semester zu merken, als im siebten oder achten Semester“, erklärt Jennifer Sloane, Mitarbeiterin am Lehrstuhl.

Trotz der Änderungen bleibt laut Sloane das Referendariat der wichtigste Bestandteil auf dem Weg zum Lehrer werden. „Es dauert eine Weile, bis man wirklich in dieses System Schule einfindet. Das ist nichts, was man sofort kann nur, weil man studiert hat. Letztendlich muss ein Lehrer eine komplette Woche mit gelungenem Unterricht füllen“, erklärt Sloane. Das neue Modell soll die angehenden Lehrer dabei noch mehr unterstützen. Denn für sie bleibt die Praxis nach wie vor das Wichtigste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.