Psychologische Beratung soll RUB-Studierenden helfen

Der Druck ist groß für viele Studierende: wenn der Leistungs- und Zeitdruck zu groß wird, wird das Studium zum Problem. Burn-Out und Depressionen sind oft die Folgen, private Probleme machen die Situation oft noch schlimmer. Professionelle Hilfe gibt es an der RUB durch die psychologische Beratungsstelle. Und die hat jede Menge zu tun.

Lernen, lernen, lernen - irgendwann geht aber nichts mehr rein in den Kopf. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Lernen, lernen, lernen - irgendwann geht aber nichts mehr rein in den Kopf. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Matthias stehen alle Türen offen. Er studiert BWL und gehört noch dazu zu den zehn besten seines Jahrgangs. Gerade eben erst wurde er für seine außergewöhnliche Leistung ausgezeichnet. Bei jeder Klausur verfehlt er nur knapp die Höchstpunktzahl, absolviert Praktika in den besten Unternehmen. Ihm scheint alles in den Schoß zu fallen. Aber manchmal will er alles hinschmeißen, weil ihm alles über den Kopf wächst und er sich ausgebrannt fühlt.

Niemand sieht ihm an, welch harte Arbeit hinter dem Erfolg steht. Neben den 24 Semesterwochenstunden kommen für Matthias noch mindestens 15 Stunden Vor- und Nachbereitung sowie Lernaufwand hinzu. Jeden Tag von 10 bis 22 Uhr sitzt er in der Uni oder am Schreibtisch. In der Klausurphase sogar noch deutlich länger.

Keine Zeit für Freizeit

Viel Zeit für Freunde, Familie und Aktivitäten bleibt da nicht. Und das kann man sich in seinem Studium auch nicht leisten, glaubt er. Freizeit scheint für ihn nur vergeudete Zeit zu sein, in der man besser lernen könnte. Im Hinterkopf kreist immer der Gedanke, dass sein Lebenslauf makellos sein muss, weil er sonst später keine Chancen mehr hat, in eine Spitzenposition zu kommen.

Oft fehlt Matthias die Kraft. Und immer mehr Studierende leiden unter der Stresskrankheit, dem sogenannten Burn-Out-Syndrom. Wie es bei Matthias dazu kam? „Der Leistungsdruck ist demotivierend. Ständig muss man sich seinen Lebenslauf ansehen, das verstärkt den Druck noch mehr“, erzählt der BWL-Student. Doch auch die Spekulationen der Kommilitonen zum Thema Berufseinstieg tragen dazu bei. Nicht immer ist sich Matthias sicher, welches Gerede nun tatsächlich wahr ist, was ihn umso mehr unter Druck setzt. Er muss einfach der Beste sein, um später Chancen zu haben. Es gibt noch so viel zu lernen und nur so wenig Zeit dazu, findet er.

Konstanze Burger, Psychologin an der Ruhr-Uni Bochum

Konstanze Burger, Psychologin an der Ruhr-Uni Bochum. Foto: Archiv

„Erwartungen werden immer höher“

Studien zufolge haben außergewöhnlich gute Studenten auffällig häufig ein Burn-Out-Syndrom. Die Bochumer Studentenpsychologin Konstanze Burger beschäftigt sich unter anderem mit solchen Fällen : „Die Erwartungen an die Studenten werden immer höher, doch manchmal sind es nicht die Umstände, die krank machen, sondern die Studenten selber, indem sie zu hohe Maßstäbe und Erwartungen an sich selbst haben.“

Die Ruhr-Universität Bochum bietet für die Perfektionisten, aber auch für alle anderen Studenten mit Problemen, eine allgemeine und eine psychologische Beratung an. Seit über 30 Jahren arbeiten 13 Psychologen und Sozialwissenschaftler in Einzel- oder Gruppengesprächen mit allen Konflikten rund ums Studium. Häufig kommen die Studenten zu Konstanze Burger, wenn sie Probleme im Studium haben. Sie schieben Arbeiten und Lernaufwand so weit wie möglich auf, leiden an Erschöpfung, Ängsten oder Blockaden. Weiterhin beklagen viele persönliche Probleme wie Depressionen oder Schwierigkeiten mit Kommilitonen. Ein Langzeitstudium, viele Jobs, aber auch Essstörungen oder Spielsucht seien eindeutige Indikatoren einer zerstörten Seele und müssten umgehend behandelt werden, sagt die Psychologin.

Doch was ruft psychische Probleme hervor? „Oft ist es eine Mischung aus häuslichen Verhältnissen, Studienwahl, Finanzproblemen und der schlechten Vorbereitung auf das Studium durch die Schulen. Um dagegen zu steuern, müssen Institutionen die persönliche Betreuung ausbauen“, erklärt Konstanze Burger.

Plötzlich mit allem allein gelassen

Was war in Matthias Fall? Matthias fühlte sich zum Studienbeginn ein wenig allein gelassen. Plötzlich musste er sein Studium selber organisieren und niemand sagte ihm, was Thema der Klausur sein würde. Er erfuhr keinerlei Hilfe durch die Institution und musste durch Eigeninitiative ein hohes Maß an Selbstständigkeit aufbauen. Wenn ihm der Druck des Studiums zu groß wird, geht er spazieren. Doch manchmal wünscht er sich kleine und große Ratschläge, um seine Situation aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können und zu erkennen, wo er sich vielleicht festgefahren hat.

Die psychologische Beratung der Ruhr-Universität Bochum will die Studenten genau dort abholen. Sie wollen auf die Bedürfnisse der Beratungssuchenden eingehen, seien dabei jedoch ergebnisoffen, berichtet die Psychologin. Es geht den Psychologen darum, dass der Student sein Glück findet, und das muss nicht unbedingt über den Weg des Studiums führen, sondern vielleicht über den Weg einer Ausbildung.

Enormer Zuwachs an Nutzung der psychologischen Beratung

Im Akafö-Gebäude sitzen die Studienpsychologen. Foto: Julia Nienaber

Im Akafö-Gebäude sitzen die Studienpsychologen. Foto: Julia Nienaber

Immer mehr Studenten suchen daher Rat bei der psychologischen Beratung. Sie erfährt einen enormen Zuwachs und das schon seit zwei bis drei Jahren. Durch die Studiengebühren konnten sogar bereits neue Mitarbeiter eingestellt werden, um alle beratungssuchenden Studenten versorgen zu können. Einen Termin zu bekommen ist aufgrund der hohen Nachfrage allerdings nur schwer möglich. Bereits zwei Monate im Voraus sind alle Termine ausgebucht, sogar die Notfalltermine.

Doch die Zukunft der Beratung ist ungewiss. „Ohne die Studiengebühren muss die Beraterzahl minimiert werden, was die Wartezeit drastisch erhöhen wird“, erklärt Burger. Ob und in wie fern die psychologische Beratung an der Ruhr-Universität in den nächsten Jahren noch möglich sein wird, das entscheidet leider nicht die Nachfrage der beratungssuchenden Studenten, sondern die Politik.

Von Julia Nienaber


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