Nazis marschieren durch Dortmund

Polizei-Hundertschaft sicher Nazi Demo in Dortmund

Fotos: Jan Krümpel

Hassparolen, schwarze Kleidung und Sonnenbrille: Knapp 450 Neonazis sind am 1. Mai durch Dortmund-Westerfilde marschiert. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, um die Neonazis der Partei „Die Rechte“ und Teilnehmer der Gegendemos auseinander zu halten. Die Beamten mussten auch Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen – allerdings gegen Nazi-Gegner.

Dortmund-Westerfilde im Ausnahmezustand: Überall Polizeiautos, Beamte der Hundertschaften, Hubschrauber und Einsatzfahrzeuge, die an der ganzen Straße geparkt sind. Wer keinen Ausweis hat, darf sich in diesem Bereich der Westerfilder Straße nicht aufhalten. Die Neonazi-Demo soll um 12 Uhr vom U-Bahnhof und vom S-Bahnhof aus starten. Wie viele Neonazis kommen, weiß die Polizei zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Über 100 Nazi-Gegner hatten sich schon um 10 Uhr am S-Bahnhof versammelt, um die Neonazis dort zu empfangen und an der Demo zu hindern. 

Florian (rechts) und Dennis sind Nazi-Gegner

Florian (rechts) und Dennis sind Nazi-Gegner.

„Wir sind friedlich… was seid ihr?“ 

Zu den Nazi-Gegnern gehören auch Florian und Dennis. Die beiden 19-jährigen wollen ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen: „Es kann nicht und darf auch nicht sein, dass so etwas heute noch toleriert wird“, sagt Florian. Dennis ist das erste Mal bei einer Demo dabei. Er schreibt die ganze Zeit schon SMS mit einem Kollegen, der die Nazis am Hauptbahnhof beobachtet und Bescheid gibt, sobald sie sich Westerfilde nähern. „Ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon. Keine Ahnung, wie die so drauf sind, wenn die hier ankommen“, sagt er. Immer wieder rufen die Nazi-Gegner zusammen und laut: „Nazis raus“ und „Wir sind friedlich, was seid ihr?“ Die ganze Zeit werden sie dabei von zahlreichen Polizisten beobachtet. Auch, wenn von den Neonazis noch nichts zu sehen ist. 

 „Charlie 40 bitte kommen… es geht los“

Mit einer Stunde Verspätung geht es dann los. Die Polizisten rücken an der Straße immer näher zusammen und stellen sich dicht nebeneinander am Straßenrand auf. Die erste Gruppe Nazis ist unterwegs. Von allen Seiten sind die Funkgeräte der Polizei zu hören. Die Einsatzleitung gibt das „go“. Allerdings läuft eine eher kleine Gruppe der Nazis an der Straße vorbei. Knapp 40 Leute sind zu Fuß von der Haltestelle Mengende nach Westerfilde gelaufen. „Eine Art Vorkommando, bevor der größte Teil kommt“, sagt ein Polizist. Trotzdem ist auch hier das Gewaltpotenzial schon zu spüren: Ein Vermummter in schwarzer Kleidung und Springerstiefeln schlägt einem Fotografen die Kamera aus der Hand. „Steck die scheiß Kamera weg“, schreit er. Sofort stürmen drei Polizisten auf ihn zu, schieben ihn zurück und fordern ihn auf, seine Sturmhaube abzunehmen. Jeder der Nazis muss erkennbar sein, damit sie von der Polizei identifiziert werden können. Die Nazi-Gegner bleiben währenddessen weiter an der S-Bahnhaltestelle. Von Ihnen war bis jetzt nicht viel zu hören. 

Maskierter Nazi bei Demo Dortmund

Mit Sturmhaube will dieser Nazi nicht erkannt werden.

Als die Beamten den kleinen Nazi-Trupp die Straße entlang begleitet hatten, beruhigt sich die Situation etwas. Die Polizisten atmen einmal tief durch, wissen aber, dass die größte Gruppe der Neonazis gleich erst noch kommt. Nach ein paar Minuten stellen sich am U-Bahnhof immer mehr Polizisten auf. Straßenzugänge werden jetzt mit Polizeifahrzeugen komplett dicht gemacht – nur ein schmaler Gang führt vom Bahnhof bis zur Straße, durch den die Nazis durchgeleitet werden sollen. Es wird hektisch, die Funksprüche der Polizei überschlagen sich wieder. Die große Gruppe kommt. Schon von weitem sind sie zu hören. Die Nazis kommen am U-Bahnhof an und werden sofort von der Polizei in Empfang genommen und Richtung Straße geleitet. Es sind etwas 150 bis 200 Männer und Frauen – sehr viele sehen noch sehr jung aus. Alle zwei Meter läuft ein Beamter der Hundertschaft mit. Die Hand immer am Schlagstock. Wer am Straßenrand Fotos macht, wird von den Nazis angebrüllt, bedroht und beleidigt. Die meisten von ihnen sind schwarz gekleidet. Mit Sonnenbrille, Bier und ein paar schwarzen Fahnen in der Hand, die allerdings aufgerollt sind. Nach gut 5 Minuten ist auch diese Gruppe ohne größere Vorfälle vorbei gelaufen. 

„Sie kommen über die Gleise“

Es sieht so aus, als sei die Arbeit für die Polizei hier erst mal vorbei. Die Beamten geben sich die Hand, verabschieden sich und gehen zu ihren Fahrzeugen zurück, die direkt neben dem U-Bahnhof stehen. Dort ziehen sie ihre dicken Westen aus, trinken etwas und essen Sandwiches. Auch die ersten Fahrgäste stehen am Bahnhof und hoffen, dass jetzt endlich wieder eine Bahn fährt. Die Stadtwerke hatten den Betrieb während der Demo eingestellt. Aber plötzlich kommt ein Einsatzleiter der Hundertschaft angerannt und brüllt seine Kollegen an: „Leute es sind knapp 300 Rechte über die Stadtbahngleise auf dem Weg hierher. Ich will jeden Mann und jede Frau hier vorne sehen. Los los los.“ 

Dunkel gekleidet marschieren die Nazis durch Dortmund.

Dunkel gekleidet marschieren die Nazis durch Dortmund.

Hektisch ziehen sich die Polizisten an und laufen den Bahnsteig runter aufs Grüne, die Bahngleise entlang in Richtung der Nazi-Gruppe. Sie kommen mit der Gruppe zurück zum Bahnhof. Dort warten knapp 100 weitere Polizisten, die sich im Reißverschlussprinzip in die Nazi-Gruppe einreihen. Hassparolen und Drohungen werden von den Rechtsextremen in Richtung der Fotografen gerufen. Über die Polizisten machen sie sich lustig, versuchen sie mit Sprüchen zu provozieren. Doch die Beamten bleiben ruhig, aber ernst und führen auch diese sehr große Gruppe in Richtung Straße und weiter zum Versammlungsort an einem Platz in Westerfilde. 

Pfefferspray und Schlagstock 

Nazis werden von der Polizei begleitet.

Nazis werden von der Polizei begleitet.

An anderer Stelle lief nicht alles so reibungslos: Gut 100 Nazi-Gegner hatten während der Kundgebung die U-Bahngleise der Linie U47 blockiert und wollten so verhindern, dass die Nazis mit der Bahn zurückfahren konnten. Als die Polizei versucht hat, diese Blockaden aufzulösen, ist es zu Auseinandersetzungen zwischen den Beamten und einigen Nazi-Gegnern gekommen. Die Situation eskalierte soweit, dass die Beamten zu ihren Schlagstöcken und Pfefferspray greifen mussten, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen, hieß es am Abend von der Polizei. Ansonsten habe es keine größeren Vorfälle gegeben. Bis ca. 19:30 Uhr ging der Nazi-Marsch nach der Kundgebung durch Westerfilde bis in Richtung Mengende. Dort löste sich der Nazi-Trupp dann auf. Die S-Bahnstrecke zwischen Mengende und Hauptbahnhof war noch bis 22 Uhr gesperrt.

 

 

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