Unentschieden im TV-Duell

Die Medienlandschaft ist sich weitestgehend einig: Einen klaren Sieger gab es am Montagabend im TV-Duell zwischen der amtierenden NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihrem Herausforderer Norbert Röttgen (CDU) nicht. Beide Spitzenkandidaten hatten vor der Landtagswahl am 13. Mai eine Stunde lang in einem Streitgespräch versucht, für ihre Positionen zu werben. Dabei bestätigte sich die im Vorfeld von Experten geäußerte Vermutung, dass aufgrund der sachlichen Art beider Politiker eine große Redeschlacht ausbleiben würde.

Einen entscheidenden Vorteil im Stimmenkampf konnten sich nach Meinung verschiedener Medien und Fachleute weder „Landesmutter“ Kraft noch ihr Gegenkandidat Röttgen erarbeiten. Da eine rot-grüne Regierung nach aktuellen Umfrageergebnissen immer noch eine knappe Mehrheit besitzt, suchte der CDU-Politiker sein Heil in der Offensive und griff die Regierungspolitik offen an. Zwar gelang es ihm, Kraft bei Themen wie der hohen Neuverschuldung in NRW in die Defensive zu drängen, jedoch war es vor allem der eigene Auftritt, mit dem Röttgen sich selbst der Chance beraubte, Sympathiepunkte beim Publikum zu sammeln. So spricht die SZ in ihrer Analyse von „arrogantem und oberlehrerhaftem“ Verhalten, weil der Herausforderer wiederholt die Ausführungen der Ministerpräsidentin unterbrach und sogar die TV-Moderatoren mehrmals korrigierte. Auch die Tatsache, dass sich der von Bundes- in die Landespolitik gewechselte Röttgen nicht eindeutig zu NRW bekannte, könnte sich nach Expertenmeinung negativ auswirken.

Kraft hingegen versuchte laut Medienexperten, mit Sätzen wie „Mein Platz ist hier in NRW“, ihre Rolle als Landesmutter zu festigen. So sei es ihr gelungen, inhaltliche Schwächen zu überspielen und sich neben dem Umweltminister, dem weitläufig vorgeworfen wird, die Landtagswahl vor allem als Karrieresprungbrett nutzen zu wollen, sich als Kandidatin für NRW zu präsentieren.

Inhaltlich wurde das TV-Duell größtenteils kritisch bewertet. So kommt der Stern zu dem Urteil, dass man als Zuschauer „eine Stunde Sendezeit verplempert“ habe. Und auch andere Medien kommen vor allem zu dem Ergebnis, dass man als Zuschauer genauso schlau sei wie vor dem Duell. Aufschluss wird letztlich erst die Landtagswahl selbst geben. Pflichtlektuere berichtet am 13.Mai ganztägig über die NRW-Wahl.

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