Sprachkurse weiterhin beliebt

Ein Beitrag von Christina Wilkes

Man kann sich vorstellen, wie der Morgen der Anmeldung für die Sprachkurse für viele TU-Studenten ausgesehen hat: Früh aufstehen, ab vor den Rechner und ab 8:00 Uhr solange die F5-Taste drücken, bis die Aktualisierung die Anmeldung zum Sprachkurs geschluckt hat. Der Server ist blockiert, um 8:10 Uhr sind viele Kurse bereits voll – rund 800 Studis müssen sich jedes Semester mit einem Wartelistenplatz zufriedengeben. Das Zentrum für Hochschulbildung Bereich Fremdsprachen ist mit dem Angebot an ihrer Grenze, die Studenten sind trotzdem sauer: Warum reagiert niemand auf die starke Nachfrage?

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Meni Syrou leitet den Bereich Fremdsprachen der TU. Fotos: Christina Willkes

In diesem Sommersemester erreichten die Anmeldezahlen mit 4.184 Interessenten ihren Höchststand. Sprachkurse sind demnach beliebt wie nie. Doch das Angebot kommt nicht hinterher. Gründe dafür sind vor allem finanzieller Natur. Die Haushaltskassen sind leer. Das Rektorat schreibt auf Anfrage der pflichtlektüre: „Das Angebot kann leider nicht beliebig wachsen. Die Universität erhält für die Lehre nur eine begrenzte Summe an Mitteln. Damit müssen zunächst die Veranstaltungen aus dem Pflichtprogramm der Studiengänge finanziert werden.“

Potential auf vielen Ebenen – alle sind gefordert

Dieses Problem ist für Dr. Meni Syrou ein alter Hut. Seit 2007 leitet sie den Bereich Fremdsprachen der TU. Die Anmeldezahlen sind stetig gestiegen, das Haushaltsbudget stopft nie alle Lücken. Aber nicht nur das Rektorat könnte die Situation verbessern. Sie sieht Verbesserungspotential auf vielen Ebenen. „Sicher könnte das Rektorat den Bereich Fremdsprachen mit mehr Mitteln ausstatten, aber die Haushaltslage lässt das momentan nicht zu. Viel wichtiger ist die Initiative der Fakultäten“, sagt sie.

Es bestehe nämlich die Möglichkeit, dass die Fakultäten Sprachkurse buchen und somit einzelne Kurse nur für ihre Studis ermöglichen. „Die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften macht das zum Beispiel so“, sagt Dr. Syrou. Für die WiSo-Studis ist ein Englischkurs verpflichtend. Um jedem einen Platz zu sichern, kauft die Fakultät pro Semester neun bis zehn Kurse beim Bereich Fremdsprachen. Und auch das reicht nicht immer. Dennoch gibt es für jeden Studierenden eine Platzgarantie – zumindest in der Hinsicht, dass sich das Studium durch den Sprachkurs nicht verzögert. Wünschenswert fände Meni Syrou solche Kurse auch für die Fakultät für Kulturwissenschaften. „Die Studierenden der Fakultät 15 machen einen großen Teil der Kursnutzer aus.“ Gebuchte Kurse gibt es für sie allerdings nicht.

Aber auch die Studenten sind an der unbefriedigenden Situation nicht ganz unbeteiligt. „Es gibt Studenten, die sich für bis zu 10 Sprachkurse anmelden und dann vielleicht zwei bis drei besuchen“, sagt Dr. Syrou, „und oft sagen die Studenten ihre übrigen Plätze nicht ab.“ Außerdem betreffe die Über-Nachfrage lange nicht alle Kurse. Spanisch, Türkisch, Niederländisch und Chinesisch auf A1 Niveau sind völlig überlaufen. Da reicht die Warteliste auch mal bis Platz 100. Andere Kurse müssen dagegen wieder abgesagt werden, weil es keine Interessenten gibt – Neugriechisch zum Beispiel steht auf der Kippe. Überrannt sind auch die Englischkurse auf B1 und B2 Niveau. Dabei müsste jeder Student diese Stufe eigentlich schon erreicht haben – „das ist Abiturniveau“, sagt Dr. Syrou. „Was wir doch eigentlich wollen, ist eine Leistungssteigerung. Aber Kurse auf C2-Niveau können wir derzeit mit unseren Ressourcen gar nicht anbieten.“

Auch der Bereich Fremdsprachen reagiert

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Um zumindest eine einheitliche Leistungsanforderung innerhalb der Kurse zu gewährleisten, hat der Bereich Fremdsprachen schon reagiert: „Wir haben Teilnahmescheine mittlerweile abgeschafft“, erklärt Dr. Syrou. Studenten, die nur aus Interesse im Kurs sitzen und keinen Schein brauchen, passen nicht mit Studis zusammen, die eine Klausur am Ende schreiben müssen. Für das Wintersemester 2012/13 soll es darüber hinaus eine Neuerung geben. Um mehr Studenten mit ihren Wunschkursen versorgen zu können, soll es ein kostenpflichtiges Zusatzangebot geben. „Für das Studium sind diese Kurse nicht anrechenbar, dienen aber der persönlichen Qualifizierung und Weiterbildung“, sagt Meni Syrou.

Weitere Überlegungen betreffen das Vergabeverfahren. Das „first-come-first-serve“-Verfahren ist zwar fair, nur kann es einem Studenten passieren, immer wieder nur auf der Warteliste zu landen. Alternativen wären ein Losverfahren oder eine tatsächliche Anrechnung von „Wartesemestern“. Dann würden Studenten, die im letzten Versuch nur auf der Warteliste standen, bevorzugt behandelt. Erstsemester hätten so aber wiederum keine Chance auf einen Platz. Meni Syrou und ihr Team bleiben also beim bewährten Verfahren. „Es ist fair und transparent gestaltet und entsprechend auf unseren Webseiten dokumentiert.“ Die Hochschulleitung misst die Kursquote vor allem an den Studierenden, die auch ins Ausland wollen. Und dann steht die TU im Schnitt gut da: „Bei den beliebtesten vier Sprachen (Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch) nutzt weniger als ein Drittel der Kursteilnehmer die Kenntnisse für einen Studienaufenthalt im Ausland“, schreibt das Rektorat auf Anfrage.

Alternativen zum Sprachkurs

Außerdem muss es nicht immer ein Sprachkurs sein, denn der Bereich Fremdsprachen bietet noch weitere Möglichkeiten an. Beim autonomen Lernen können „Teilnehmer mit einer digitaler Selbstlernsoftware im Sprachlabor an ihrem Spracherwerb arbeiten“, erklärt Meni Syrou. Dazu gibt es donnerstags die passende Lehrveranstaltung , montags und freitags können praktische Übungen im Sprachlabor gemacht werden. Begleitet wird das autonome Lernen von einer „intensiven Lernberatung“, verspricht Dr. Syrou. Tempo und Niveau können dabei vom Teilnehmer selbst bestimmt werden. Außerdem steht jedem Student das Tandemprogramm zur Verfügung. Hier werden Studenten mit unterschiedlichen Muttersprachen vermittelt, um sich geregelt zu treffen und miteinander in Austausch zu kommen. Für Dr. Meni Syrou sind diese beiden Möglichkeiten eine echte und gute Alternative. Und das beste für die Studis: Eure F5-Taste wird geschont – ein Anmeldechaos ist nicht zu erwarten und um acht Uhr morgens muss sich niemand aus dem Bett quälen.

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