Schröder spricht, aber nicht über Bildung

Prominente Gäste gibt es an der Technische Universität Dortmund (TU) vergleichsweise selten. Umso überraschender der Besuch des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder beim Neujahrssymposium der Ökonomischen Bildung. Zum diesem Thema hat er allerdings wenig beigetragen.

Das Audimax fast voll, die Stimmung gespannt: Fast eine Stunde mussten die Gäste auf den Höhepunkt der Veranstaltung warten. Ein solcher Gast muss schließlich gebührend empfangen werden. Das übernahmen unter anderem TU-Rektorin Ursula Gather und Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

„Wirtschaft als Schulfach“

Schröder und Rager, Foto: Christopher Ophoven

TU-Rektorin Ursula Gather im Gespräch mit Schröder. Fotos: Christopher Ophoven

Wirtschaftsprofessor Andreas Liening stellte den Kontakt zu Altbundeskanzler Gerhard Schröder her – die beiden kennen sich aus dem Urlaub auf Borkum. In seiner Einführungsrede verwies Liening auf die Notwendigkeit, einfache ökonomische Aspekte bereits in den Lehrplan der Schulen einfließen zu lassen.

Schröders Vortrag entfernte sich anschließend vom Thema des Neujahrssymposiums. Bereits der Titel der Rede ließ vermuten, dass Bildung maximal eine untergeordnete Rolle spielt: „Perspektiven und Herausforderungen für Deutschland und Europa in einer globalisierten Welt.“

Weltpolitik mit Altkanzler

Engagiert: Schröder redete gut 40 Minuten.

Engagiert: Schröder redete gut 40 Minuten.

Statt über Bildung sprach Schröder über Politik und Wirtschaft. Er verteidigte sein damaliges Regierungsprogramm, die Agenda 2010. Auch zur Euro-Krise äußerte sich der Altkanzler. Ein Austritt aus der Eurozone wäre „ein Rückschritt und eine Rückkehr zur europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, also einem Binnenmarkt ohne wirkliche Integration. Das würde die Zukunftsaussichten deutlich verschlechtern.“ Schröder prognostizierte außerdem, dass „eine europäische Föderation geschaffen werden müsse.“ Ansonsten habe Europa langfristig keine Chance auf den globalen Märkten. Zu groß seien die Abstände zu den USA und einigen asiatischen Staaten, insbesondere China.

Erdgas statt „Gerdgas“

Gleichzeitig sprach sich Schröder für eine stärkere Zusammenarbeit mit Russland und der Türkei aus. Allein aus strategischen Gründen seien diese Partnerschaften enorm wichtig. Einerseits als Vermittler zu islamisch geprägten Staaten, andererseits als wichtiger Rohstofflieferant – zum Beispiel Erdgas.

Nach Schröders Vortrag folgte eine Diskussion, nach strengen Regeln: Schüler hatten im Vorfeld zwei Fragen erarbeitet, lediglich ein Student konnte seine Frage stellen. Auf diese Fragen antwortete der Altkanzler zwar souverän und ausführlich, aber es konnte sich keine ordentliche Diskussion entwickeln, zu knapp war die Zeit.

Dabei hätten noch mehr Studenten Platz im Audimax gefunden. Gut 1/4 aller Sitze waren für Ehrengäste und Dekane reserviert, darum blieben vor allem in der vorderen Reihen viele Plätze frei.

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