Kommentar: Olympia-Rechte – keine Angst vor Veränderung!

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Die deutsche Sportwelt steht seit dem 28. November unter Schock. ARD und ZDF werden 2018 bis 2024 nicht über die Olympischen Spiele berichten. Das größte Sportereignis der Welt wird in Zukunft nur noch von Eurosport und Dmax übertragen. Die ewige Debatte über die GEZ-Gebühren kommt dadurch wieder in Fahrt. Dem deutschen Sportkonsumenten gefällt das nicht. Ein Kommentar.

Ständig faseln alle von der „ach so bösen“ GEZ, die in nahezu unmenschlicher Art und Weise armen Studierenden ihre letzten Groschen aus der Tasche zieht. Das Schreckenszenario: Die GEZ klopft früh morgens an die Tür und bittet uns zur Kasse. So zumindest die Vorstellung mancher. Was dabei nur viel zu kurz kommt: Die GEZ gibt es seit vier Jahren nicht mehr. Mittlerweile schimpft sich die Gemeinschaftseinrichtung  ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice. Aber auch sie hat es geschafft, den Gebührenzahler zur Weißglut zu treiben:

Denn in Wirklichkeit erhalten die „Öffentlichen“ sogar weit mehr Geld. Mehr als acht Milliarden Euro nahm der Rundfunk im vergangenen Jahr von den knapp 45 Millionen Beitragskonten ein. Da hätte der geizige Rundfunk doch mal locker die vermutlich geforderten 150 Millionen Euro springen lassen können. Oder doch nicht? So mysteriös sind die Machenschaften der „bösen GEZ“ nämlich gar nicht. Wer auf ihrer Website nachschaut, erfährt, dass vom Rundfunkbeitrag in Höhe von 17,50 Euro monatlich letztendlich 4,32 Euro ans ZDF gehen, 3,96 Euro an die ARD-Gemeinschaftsaufgaben.

Den Rest bekommen die Landesrundfunkanstalten, das Deutschlandradio sowie die Landesmedienanstalten. Von den 3,96 Euro für die ARD-Gemeinschaftsaufgaben werden auch die Sportlizenzen bezahlt. Von den knapp vier Euro erhält Das Erste ungefähr 70 Prozent. Zwei Drittel davon gehen an Fernsehumlagen. Für die Sportübertragungsrechte plant der Beitragsservice schlussendlich 70 Cent ein – oder anders ausgedrückt vier Prozent der Gesamteinnahmen. Insgesamt stehen der ARD so 320 Millionen Euro jährlich für die Sparte Sport zur Verfügung.

Aber davon wollen ja nicht nur die Rechte an den Olympischen Spielen bezahlt werden. Da wären zum einen die teure Produktion vor Ort, sei es 2018 im südkoreanischen Pyeongchang oder 2020 in Tokio, als auch die sündhaft-teure Lizenz an der Bundesliga-Erstverwertung in der Sportschau oder an Welt- und Europameisterschaften und Uefa Champions-League. Die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks müssen „der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen“. So heißt es im Rundfunkstaatsvertrag. 

Nicht noch mehr Fußball

Fußball ist zwar die Sportart Nummer eins, dennoch sei die Frage erlaubt: Wie viel Fußball denn noch? Sicherlich ist das DIE Sportart, die die Deutschen vor allem sehen wollen. Aber müssen ARD und ZDF Jux-Länderspiele gegen Aserbaidschan, die Vereinigten Arabischen Emirate oder San Marino immer zeigen? Dem Öffentlichen Rundfunk kann man daher gewiss vorwerfen, dass ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Aufgabe zu kurz kommt: Vielfalt. Und dafür stehen die Olympischen Spiele mit Bogenschießen, Judo oder Kanu wie kein zweites Event.  

Aber sei es drum: Das können Sportfans ab 2018 bei Eurosport sehen. Dafür müssen sie allerdings ihre alten Gewohnheiten über Bord werfen. Ein Beispiel: Sollte Skispringer Severin Freund 2018 die Goldmedaille gewinnen, sitzt halt nicht Kommentatoren-Legende Tom Bartels am Mikrofon, sondern das Eurosport-Reporter-Duo, das – Kenner wissen das – ebenfalls eine gehörige Portion Fachwissen mitbringt. Unverschämt ist also die Arroganz derer, die die Berichterstattung pauschal schlecht reden. Eurosport hat es schwieriger als die Öffentlich-Rechtlichen: Die Werbezeiten als Argument für die vermeintlich schlechtere Übertragung zu bringen, ist unsinnig. Eurosport erhält keine Milliarden, hat sich aber trotzdem durchgesetzt. Ein Signal: Endlich scheint der deutsche TV-Markt wenigstens ein bisschen fairer zu werden.

Auf dem Papier schlechtere Vorraussetzungen

Das einzige Manko ist, dass Eurosport bislang in hochauflösendem HD nur über Pay-TV zu empfangen ist, während ARD und ZDF auch das bessere Bild für jedermann anbieten. Eurosport verspricht trotzdem:

Die größten Momente und die deutschen Medaillenentscheidungen werden bei Eurosport im Free-TV  zu sehen sein.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass der Discovery-Konzern die Lizenzen für ein Sportprodukt der ersten Liga kauft und dann nur eine zweitklassige Übertragung liefert – auch wenn etwa die Streaming-Möglichkeiten begrenzt beziehungsweise kostenpflichtig sind. Das beweist Eurosport jährlich bei der Tour de France, Grand-Slam-Turnieren im Tennis oder im Wintersport. Endlich wird nämlich der Fokus auf dem Sport liegen, nicht auf Doping oder auf zu Medaillenhoffnungen hochstilisierten deutschen Athleten.

Und für Randsportarten kann jetzt sogar die große Stunde schlagen. So war zum Beispiel bis 2011 das Finale der amerikanischen Footballliga (NFL), der Super Bowl, in der ARD zu sehen. Anschließend übernahm ProSiebenSat1  die Rechte – und das Produkt wurde eine einzige Erfolgsgeschichte. Bei all der Aufregung über die Übertragungsrechte darf man also Eines nicht vergessen: Dass jede Veränderung auch neue Chancen birgt.

Beitragsbild: flickr.com/CAPTAIN ROGER FENTO… unter Verwendung der Creative Commons Lizenz.