Kino-Tipp: Woody Allens neustes Werk

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Altmeister Woody Allen ist zurück auf der Leinwand: In seinem neuen Film „Ich sehe den Mann deiner Träume“ führt er uns die Absurdität unserer eigenen Existenz vor Augen. Hochkarätig besetzt und in der Großstadt London spielend, zeichnet Allen ein Bild von verworrenen Beziehungen und sinnlosem Streben. Herausgekommen ist dabei ein Film, der zwar nicht durchgängig überzeugt, in jedem Fall aber sehenswert ist.

Alles beginnt mit einer Stimme aus dem Off. Sie ist es, die dem Zuschauer bereits zu Anfang des Films, die Protagonisten samt ihrer verworren Beziehungsgeflechte und inneren Konflikte, vorstellt. Da ist zum Beispiel Helena, die nach vierzig Ehejahren von ihrem Mann verlassen wurde und jetzt Hoffnung und neuen Lebensmut bei einer Wahrsagerin sucht. Ihr Mann Alfie jagt derweil seiner verlorenen Jugend nach. Nachdem ihm in einer Nacht die Endlichkeit seines Lebens bewusst geworden ist, versucht er nun mit aller Kraft gegen die fortschreitende Zeit und sein Alter anzukämpfen. Frisch getrennt von Helena, treibt er sich nun in Fitnessstudios herum, verbringt die Abende mit seinen jungen Kollegen in Szene-Clubs und verliebt sich prompt in das um mehrere Jahrzehnte jüngere Call-Girl Charmaine.

Wieder einmal Streit zwischen Roy und Sally. In der Ehe der beiden kriselt es. Quelle: Concorde Filmverleih

Wieder einmal herrscht Streit zwischen Roy (Josh Brolin) und Sally (Naomi Watts). In der Ehe der beiden kriselt es. Quelle: Concorde Filmverleih

Helenas und Alfies Tochter Sally hingegen plagen Probleme ganz andere Art. In ihrer Ehe mit Roy beginnt es zunehmend zu kriseln. Roy hatte vor Jahren als Schriftsteller einen großen Erfolg. Doch seitdem ist es mit seiner Karriere immer weiter bergab gegangen. Ein neues Buch soll das nun ändern. Allerdings will das Schreiben nicht so recht gelingen. Also muss Sally für den Unterhalt der beiden sorgen. Sie arbeitet als Assistentin bei dem erfolgreichen Galeriebesitzer Greg Clement, träumt aber eigentlich von einer eigenen Galerie und einem gemeinsamen Kind mit Roy. Dann verliebt sie sich auch noch in ihren Chef Greg. Der allerdings beginnt eine Affäre mit ihrer Freundin. Ihr Mann Roy entdeckt derweil sein Interesse an Dia, der hübschen Nachbarin gegenüber, die er täglich von seinem Fenster aus beobachtet.

Prominente Darstellerriege

„Ich sehe den Mann deiner Träume“ ist ein typischer Woody Allen Film, der uns von den Beziehungsabsurditäten- und nöten der Großstädter erzählt. Wie schon der Film „Match Point“ aus dem Jahre 2005, spielt auch er in London. Das schnelle Treiben in der Stadt, die Rastlosigkeit der Figuren und ihre Sehnsucht nach Glück und Selbstverwirklichung im Spannungsfeld zur Endlichkeit der eigenen Existenz bestimmen Allens neuen Film. Mit Schauspielern wie Athony Hopkins (Alfie), Josh Brolin (Roy), Freida Pinto (Dia), Naomi Watts (Sally), Gemma Jones (Helena) und Antonio Banderas (Greg) ist er hochkarätig besetzt. Den Darstellern gelingt es, ein verdichtetes Spiel zu erzeugen und ihren Figuren die nötige Tiefe zu verleihen.

Dennoch gibt es Stellen im Film, die dann doch arg konstruiert und irgendwie vorhersehbar wirken. Dass Alfie letztlich erkennt, dass seine neue junge Freundin ihn doch nur wegen des Geldes will und ihn nebenbei betrügt, ist nun wirklich keine überraschende Wendung. Seine große Läuterung am Ende des Films verbunden mit dem Wunsch, wieder zu Helena zurückzukehren, bewegt sich nach am stilisierten Kitsch.

Dia, die schöne Frau von gegenüber, verdreht Roy den Kopf. Quelle: Concorde Filmverleih

Dia (Freida Pinto), die schöne Frau von gegenüber, verdreht Roy den Kopf. Quelle: Concorde Filmverleih

Zwischen Witz und Schwermut

Und dennoch: „Ich sehe den Mann deiner Träume“ ist ein gelungener Film mit vielen grandios humorvollen und melancholischen Szenen. Der deutsche Filmtitel ist allerdings recht unpassend gewählt. Im Original lautet er „You will meet a tall dark stranger“ und greift die Vorhersage von Helenas Wahrsagerin auf. Das ergibt dann immerhin auch einen Sinn. Zwar trifft Helena keinen großen Mann, sondern einen kleinen untersetzten Witwer, der einen Laden für okkulte Bücher betreibt. Schließlich findet sie bei ihm aber doch das Glück, nach dem sie sich gesehnt hatte.

Wenn auch Helena am Ende ihr kleines, persönliches Happy-End erlebt, so trifft das nicht auf alle Figuren im Film zu. Zwar trennen sich Sally und Roy schließlich und Roy zieht mit seiner Angebeteten Dia zusammen, jedoch ist er es, dem der größte moralische Fall von allen zu teil wird. Weil sein neues Buch, das er letztlich dann doch fertig stellt, vom Verlag abgelehnt wird, entwendet er einfach das seines tödlich verunglückten Freundes und weist es als sein eigenes aus. Das bringt ihm zwar den lang ersehnten Erfolg, aber auch unerwartete, negative Folgen.

 

Sinnlosigkeit des menschlichen Strebens

Eine neue Liebe wird kommen : Helena (rechts) lässt sich von einer Wahrsagerin in die Zukunft blicken. Quelle: Concorde Filmverleih

Eine neue Liebe wird kommen: Wahrsagerin Cristal (Pauline Collins, links) sieht in Helenas (Gemma Jones) Zukunft. Quelle: Concorde Filmverleih

„Ein Märchen voller Klang und Wut, das nicht bedeutet“, mit diesem Zitat aus Shakespeares Tragödie „Macbeth“ beginnt und endet Allens Film. Roy und ebenso die anderen Figuren stehen exemplarisch für diese Zeile. All ihr Streben nach Liebe, Erfolg und Glück, ihr verzweifeltes Ringen um ein erfülltes Leben, ist angesichts ihrer eigenen Vergänglichkeit letztlich bedeutungslos. Was bleibt ist das Nichts.


 

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