Akademikersteuer: Alternative zu den Studiengebühren

Der Beschluss der Landesregierung steht: Sie will die Studiengebühren zum Wintersemester 2011/12 abschaffen. Die dann fehlenden 250 Millionen Euro, die bislang durch Studiengebühren eingenommen wurden, sollen vom Land übernommen werden. Doch Nordrhein-Westfalen sitzt bereits auf einer ungeheuren Schuldenlast von etwa 150 Milliarden Euro, die künftige Generationen zurückzahlen müssen. Welche sonstigen finanziellen Möglichkeiten gibt es, um gute Bildung an deutschen Hochschulen zu gewährleisten?

Welche alternativen Modelle gibt es, um unser Bildungssystem zu finanzieren? Foto: Jörg Siebauer/pixelio.de

Welche alternativen Modelle gibt es, um unser Bildungssystem zu finanzieren? Foto: Jörg Siebauer/pixelio.de

Falls die Landesregierung mit ihrem Vorhaben doch noch scheitert, die Studiengebühren abzuschaffen, müssten die Studenten weiter fleißig zahlen. Viele könnten ihr Studium nur über Kredite finanzieren. Aber zumindest deren Bedingungen sollte die Regierung verbessern. Bereits jetzt kann die NRW.Bank die Gebühren übernehmen: Sie müssen dann erst nach dem Ende des Studiums zurückgezahlt werden – allerdings leicht verzinst. In anderen Bundesländern war der Kredit teilweise zinsfrei, als dort noch Gebühren erhoben wurden: im Saarland zum Beispiel bis zwei Jahre nach dem Studium, in Hessen für alle BAföG-Empfänger.

Das Darlehen bietet während des Studiums zwar freie Bahn, allerdings sitzt der Student zu Beginn seines Berufslebens auf einem nicht geringen Schuldenberg. Problematisch ist das vor allem für Studenten, die nach dem Abschluss keinen Job finden. Deswegen wäre es auch denkbar, die Rückzahlungsbedingungen für Absolventen zu verbessern.

Generationenvertrag: ein stabiles System

Durch den Generationenvertrag der WHU erfolgt die Bezahlung im Nachhinein, abhängig vom Gehalt. Foto: WHU

Durch den Generationenvertrag der WHU erfolgt die Bezahlung im Nachhinein, abhängig vom Gehalt. Foto: WHU

Eine Alternative zu den Studiengebühren wäre der umgekehrte Generationenvertrag. Die private „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung“ (WHU) in Vallendar nahe Koblenz macht’s vor: Die Gebühren werden während des Studiums von der brain capital GmbH übernommen. „Die Rückzahlung erfolgt nicht wie ein Kredit mit festen Raten, sondern abhängig vom späteren Einkommen“, erklärt der Geschäftsführer von brain capital, Marco Vietor. So zahlen Absolventen zehn Jahre lang 7,5% ihres Einkommens – allerdings erst ab einem Mindesteinkommen von 30.000 Euro im Jahr. Und auch erst, wenn sie in den Beruf eingestiegen sind: Ein Master oder eine Promotion nach dem Bachelor ist auf diese Weise ohne finanziellen Druck möglich.

„Der große Vorteil ist, dass das Kapital nicht verbraucht wird, wie bei einem Stipendienprogramm, sondern, dass es erhalten bleibt: Irgendwann entsteht ein stabiles System“, sagt Vietor. Vielverdiener fangen den niedrigen Beitrag von Geringverdienern auf. Das einzige Problem: Zunächst müsste ein hinreichend großes Startkapital her, weil sich der Generationenvertrag erst nach Jahren selbst trägt. Im kleinen Rahmen der WHU war dies durch Unterstützung der Ehemaligen möglich – aber für ein ganzes Bundesland?

Akademikersteuer: die faire Abgabe

England diskutiert über eine Akademikersteuer. Im Bild: Das altehrwürdige St. John's College, Cambridge. Foto: Rolf Handke/pixelio.de

England diskutiert über eine Akademikersteuer. Im Bild: Das altehrwürdige St. John's College, Cambridge. Foto: Rolf Handke/pixelio.de

Auf Landes- oder gar Bundesebene spricht vieles für eine Akademikersteuer, wie sie derzeit auch in Großbritannien diskutiert wird. Dadurch würde das Einkommen von Hochschulabsolventen mit zusätzlichen Steuern von fünf Prozent belastet. Der Vorteil: Es würde alle Ehemaligen sofort erfassen. „Die Studierenden zahlen für ihr Studium in dem Augenblick, in dem sie von ihm profitieren. Und wenn sie nicht profitieren, weil ihr Einkommen zu niedrig ist, zahlen sie auch nicht. Das ist fair“, sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Die Politik könnte sogar soweit gehen, es als Akademikerabgabe durchzusetzen: Abgaben sind per Definition zweckgebunden und gingen so direkt an die Hochschulen, wohingegen eine Akademikersteuer zum Stopfen von Haushaltslöchern missbraucht werden könnte.

Klar ist: Die Politik muss eine Lösung finden. Mit der Abschaffung der Studiengebühren und der Finanzierung auf Pump aus der Landeskasse ist nichts gelöst, im Gegenteil. Es muss eine deckende Finanzierung geben, um auch in Zukunft gute Studienbedingungen zu ermöglichen. In der globalisierten Welt wird Wissen zur wichtigsten Ressource Deutschlands – und die Bildungsfrage zur Schicksalsfrage.