Hilfe für Gehandicapte

Keller-Odysseen, Sackgassen und zu schwere Türen – Über die Bedingungen für Studenten mit Behinderung am Essener Campus hatte die Printversion der pflichtlektüre in der vergangenen Ausgabe berichtet. Seitdem tut sich einiges an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Das Thema ist wieder auf der Agenda.

Dieser Artikel aus der pflichtlektüre hat die Uni Duisburg-Essen zum Umdenken bewegt. Foto:

Dieser Artikel aus der pflichtlektüre hat die Uni Duisburg-Essen zum Umdenken bewegt. Foto: Moritz Tschermak

Nach dem Lesen des Artikels (ab S.12 des Online-PDF hier) wandte sich Essayas Lule vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der UDE an unsere Redaktion: „Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Vorstellung, welche Hürden und Hindernisse Studierende mit Behinderung hinnehmen müssen.“ Einen der größten Kritikpunkte, fehlende Anlaufstellen und Vernetzungsmöglichkeiten für Studenten mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, will der AStA nun mit der Gründung eines autonomen Referats für Behinderte und chronisch Kranke ausradieren.

Auch die Uni wird aktiv

Die ersten Schritte in diese Richtung werden parallel auch von Seiten der Uni getan: Seit Februar arbeitet Daria Celle-Küchenmeister als Beauftragte für Behinderung im Studium an der UDE. Erste Erfolge kann Celle-Küchenmeister bereits verzeichnen: Vor einigen Monaten waren nur sehr spärliche Informationen über das Thema Studieren mit Behinderung im Internet zu finden, jetzt bietet die UDE – unter anderem auf ihrem Diversity Portal – umfassende  Informationen und mit Celle-Küchenmeister erstmals eine Ansprechpartnerin, die sich mit ihrer Teilzeitstelle ausschließlich ihrer Tätigkeit als Beauftragte für Behinderung im Studium widmet. Zwar liegt noch viel Arbeit vor Celle-Küchenmeister, doch „die Uni ist auf einem guten Weg, allein schon durch die Einrichtung dieser Stelle und die Bemühungen beim Nachteilsausgleich.“ Das Erfolgsrezept liegt für Celle-Küchenmeister in der Kombination aus individuellen Beratungsangeboten und der Arbeit an strukturellen Verbesserungen.

Häufig fungiert sie als Schnittstelle zwischen Betroffenen und der Universität. Ist beispielsweise ein Seminarraum für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, können Dozenten Kontakt zu Celle-Küchenmeister aufnehmen, die sich für eine Verlegung der Veranstaltung einsetzt. Auch, wenn das nicht immer Erfolg versprechend ist, denn die UDE kämpft wie viele andere Universitäten mit Raumproblemen.

AStA und Uni wollen zusammenarbeiten

Daria Celle-Küchenmeister ist neue Beauftragte für Behinderung im Studium an der UDE Foto: Uni Duisburg-Essen

Daria Celle-Küchenmeister ist neue Beauftragte für Behinderung im Studium an der UDE Foto: Uni Duisburg-Essen

Der Initiative des AStA, ein autonomes Referat für Behinderte und chronisch Kranke zu gründen, drückt Celle-Küchenmeister die Daumen: „Das wäre ein niedrigschwelliges Angebot, dort könnten sich die Studenten untereinander austauschen und sich für ihre Belange stark machen.“ Wie genau eine Kooperation zwischen Celle-Küchenmeister und dem Referat aussehen könnte, muss noch im Detail geklärt werden. Beide Seiten sind sich aber sicher, vom anderen profitieren zu können. „Die Zusammenarbeit sehen wir als ein Muss“, sagt AStA-Referent Tobias Quiram. Sein noch junges Referat Interkulturelles & Diversity hofft nun darauf, dass die Gründung des autonomen Referats für Behinderte und chronisch Kranke auch wirklich zustande kommt. „Wir sind sehr zuversichtlich. Unser Antrag ist im StuPa einstimmig angenommen worden“, sagt Quiram. „Noch stehen zwei Lesungen aus, aber die Chancen stehen richtig gut.“

Bis auf den Campus in Duisburg und Essen Studenten mit Behinderung keine großen Steine mehr in den Weg gelegt werden, wird es noch einige Zeit dauern. „Das ist ein langfristiger Prozess“, erklärt Celle-Küchenmeister. Doch die aktuellen Bemühungen zeigen, dass auch an der UDE das Problem erkannt und daran gearbeitet wird. Hier bei www.pflichtlektuere.com halten wir euch jedenfalls auf dem Laufenden.

Von unserer Mitarbeiterin Mariella Trilling

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