Audio-Slideshows: Packende Porträts

Was hält einen Menschen an seinem Ehrenamt, einem alten Handwerk oder seinem fünftklassigen Fußballverein? Studenten der Dortmunder Journalistik haben in einem Seminar mit Professor Klaus Meier interessante Biografien auf einzigartige Weise in Audio-Slideshows eingefangen.

Suppe, Eintopf, Allerlei

Porträt eines ehrenamtlichen Helfers in einer Suppenküche in der Dortmunder Nordstadt

Als Werner vor sechs Jahren seinen Job verlor, tat sich vor ihm ein riesiges Loch auf. Aber anstatt sich auszuruhen, ging er zur Freiwilligen-Agentur. Der heute 60-Jährige landete in einer Suppenküche in der Nordstadt. Jeden Montag bewirten er und sein Team bis zu 250 Menschen. Das Porträt eines ehrenamtlichen Helfers, der sich selbst gar nicht für einen guten Hausmann hält.
Eine Audio-Slideshow von Sami Skalli Houssaini und Irene Berres

Suchtmittel Geige

In der Werkstatt des Violinenbaumeisters Volker Bley

Geigen sind für die meisten Menschen etwas Fragiles, Antikes, Fremdes. Für einige wenige sind sie Werkzeuge. Für Geigenbaumeister Volker Bley hingegen ist die Violine ein „Suchtmittel“, zu dem er auch andere verführen will. Mit dem Gang in seine Werkstatt im Dortmunder Kreuzviertel betritt man eine eigene Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint.
Eine Audio-Slideshow von Stephan Kleiber und Tobias Jochheim

Esperanto-Unterricht in der Grundschule

In Herzberg am Harz feiert die Kunstsprache ein Revival

In einer kleinen niedersächsischen Stadt lernen Schüler der Nicolaischule im Rahmen eines EU-Projekts Esperanto. Es ist die erfolgreichste Kunstsprache, erfunden von Ludwik Lejzer Zamenhof am Ende des 19. Jahrhunderts – mit dem Ziel, den verschiedenen Nationen ein einfaches, neutrales Kommunikationsmittel zu geben. Die Kinder können damit ganz gut umgehen.
Eine Audio-Slideshow von Judit Andrea Révész

14 Sorten Pfeffer

Gewürze verkaufen und immer was dazu lernen: Heinrich Quick ist das ganze Jahr auf Märkten unterwegs

40 Jahre – so lange verkauft Heinrich Quick schon Gewürze auf Märkten in ganz Deutschland. In der Adventszeit steht er mit seinem Stand auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Obwohl das nicht immer einfach ist, hat der 69-Jährige von seinem Beruf immer noch nicht genug.
Eine Audio-Slideshow von Malina Opitz und Laura Döing

Stets auf der Suche nach dem nächsten „Schätzken“

Heutzutage braucht kaum noch jemand was vom Trödel, sagt Helmut. Seit 30 Jahren ist er mit seinem Stand dabei. Und er hat sich seinen Spaß am Feilschen mit „Geizhannes“ bewahrt.

Jeden Samstag stürmen Tausende Menschen den Dortmunder Trödelmarkt. Hier wird gehandelt und gefeilscht, Bekanntschaft werden geschlossen. Mittendrin: Der 63-jährige Helmut. Ein echtes Trödel-Original, das sich selbst eine „kleine Macke“ attestiert. Es ist die tägliche Suche nach der Kleinigkeit, die für ihn zum „Schätzken“ wird.
Eine Audio-Slideshow von Jonas Knoop und Jessica Springfeld

Zu zweit allein

Schwanger im Studium – und dann? Wie unverhoffter Nachwuchs das Leben umkrepelt – zum Besseren, ist sich Mutter Saskia sicher.

Gar keine Kinder oder erst mit über 30 – das war der Plan. Und dann ist es doch schon im Studium passiert. Seit Joel da ist, weiß die junge Mutter Saskia: „Die Verantwortung nimmt dir niemand ab.“ Und dennoch: Die alleinerziehende Mutter schätzt ihre neuen Talente als Organisatorin. Die Uni muss dann eben hinten anstehen. Die Zeit nimmt sie sich gern für Joel. „Wenn er was Neues lernt, ist man einfach wahnsinnig stolz!“
Eine Audio-Slideshow von Christin Otto

Walk on – Westfalia Herne vor dem Aus?

Da leiden die Stimmbänder: Immer Sonntags steht Andreas auf dem Zaun und peitscht den Fanblock an. „Das ist der Mythos Westfalia Herne“, sagt er – auch wenn seine Mannschaft bloß fünftklassig und inzwischen zahlungsunfähig ist.

Nach über 100 Jahren Vereinsgeschichte droht dem traditionsreichen Fußballverein SC Westfalia Herne die Insolvenz. Der 34-jährige Andreas Wehnes lebt seit seiner frühen Kindheit mit und für den Verein. Trotz eher schlechter Aussichten bleibt er aber optimistisch und blickt auf seine persönliche SC-Vergangenheit zurück. Einst war der Club Westdeutscher Meister. Jetzt sind Fans wie Andreas mit dem blau-weißen Trecker in der Stadt unterwegs auf Werbetour, um ihn am Leben zu halten.
Eine Audio-Slideshow von Stefan Stöckmann

Lira: Eine Asylbewerberin erzählt

Ihr Großvater war einst Ministerpräsident in Albanien – und sie sitzt zwei Jahre lang in einem Asylbewerberheim in Deutschland. An die Uni hat Lira es nur geschafft, weil in der Verwaltung niemand bemerkte, dass sie eigentlich nicht zugelassen werden durfte.

Lira hat eine turbulente Kindheit hinter sich: Ihre Familie floh mit ihr aus Albanien nach Deutschland. Heute ist sie froh, dass sie nicht mehr im Asybewerberheim schlafen muss. Ständig quälte die Frage: „Warum bin ich hier allein?“ Erst nach zwei Jahren durfte sie in eine normale Wohnung umziehen. Dennoch hätte sie nicht einmal studieren dürfen. Mit Visum in Deutschland, das ist für die junge Frau der Zwang: „Dumm bleiben, bis man mich nach Hause schickt.“
Eine Audio-Slideshow von Anja-Kristin Willner und Inga Khapava

9 Comments

  • Hallo Daniel,

    vielen Dank für dein Feedback. Ein schickes und gut befülltes Blog hast du da auf die Beine gestellt…

    Die YouTube-Frage ist schon öfter aufgekommen. Für „empfindliche“ Zuschauer ist das sicherlich nicht ideal, aber die Nachteile für den Produzenten hast du ja in deinem Blogpost schon aufgezählt (Einbindung, Komplexität usw.). YouTube dagegen frisst fast jedes Format, ist bei allen bekannt, einfach bedien- und einbindbar, übernimmt den Traffic … da stand die Entscheidung recht schnell fest.

    Die NBA-Sachen findet Google zum Glück noch; http://www.nba.com/video/channels/playoffs/2010/06/18/20100618_gm7_audio_slideshow.nba/ ist meiner Meinung nach noch eines der besseren Beispiele. Deine Vermutung dürfte sich beim Anschauen bestätigen. Andererseits: Mit 80 % weniger Zooms wäre das ganze schon deutlich schöner. Und dass das Experiment überhaupt gewagt wird, finde ich sehr lobenswert.

    Schönen Gruß
    Tobias

  • Daniel Höly sagt:

    PS: @ Tobias Jochheim: Bei dem NBA-Link kommt bei mir leider nichts (mehr). War wohl auch nur testweise/vorübergehend? Schade eigentlich… (kann es mir bei dem schnellen Sport aber auch kaum als geeignetes Medium/Stilmittel vorstellen, um ehrlich zu sein – höchstens für Hintergrundstories, Portraits etc.)

  • Daniel Höly sagt:

    Erst einmal „Hallo“ an meine „Journalismus-Studenten-Kollegen“ von mir, einem h_da-ler. Da sind wirklich ein paar schöne Soundslides dabei, die Fotos bei der Geige-Soundslides gefallen mir echt gut (auch wenn sie sich irgendwann „wiederholen“, was thematisch eben kaum anders geht).

    Nur das verstehe ich absolut nicht: YouTube-Videos??? Das macht doch den ganzen Effekt und stärksten Vorteil von Soundslides komplett zunichte. Nämlich die gute Bildqualität.

    Ich als Fotografie-Fan finde Soundslides ist fast schon eine Kunst, eine ganz besondere Art, Geschichten zu erzählen. Daher ist es, wie schon angemerkt, auch sehr wichtig, die Fotos ruhig mal länger stehen zu lassen und nicht alle 2-3 Sekunden zu wechseln.

    Ich selbst habe auch ein paar Beispiele von mir online, siehe http://juiced.de/blog/mediathek/soundslides/ (Ich empfehle zunächst „Twitterbibel“)

    Ansonsten habe ich mir vor einiger Zeit Gedanken zu Soundslides gemacht, wieso es sich leider nicht durchgesetzt hat (und meiner Meinung nach auch – leider – nicht wird): http://juiced.de/blog/bloggen-fuer-dummies-5-soundslides-special/5494/

    Verzeiht die „Eigenwerbung“, ich hoffe aber, dass wir so vielleicht eine Diskussion darüber in Gang bekommen und Soundslides nicht einfach in Vergessenheit gerät. Dazu habe ich diese Erzählform (Kunst/Journalismus) einfach zu lieb. 🙂

  • Danke für das Feedback und sorry für die späte Antwort:

    Leider sind wir (noch) durch Server und CMS technisch begrenzt, daher die Einbindung über YouTube.

    Wir als Macher der Geigenbauer-Slideshow waren und sind ganz zufrieden mit der Kombination von Ton und Bild. Wir sehen das ganze als Realisierung des Bühneneffekts – der Grat zwischen Holzhammer und der Trambahn aus Ihrem Beispiel ist aber nun mal schmal…

    Zuletzt noch ein Link zum Schmunzeln: die Marketingmaschinerie hinter der amerikanischen Basketball-Liga NBA hat die Audio-Slideshow als Stilmittel für ihre Wesite entdeckt. Ken Burns sendet herzliche Grüße!

    http://www.nba.com/video/channels/playoffs/2010/06/07/20100607_gm2_audio_slideshow.nba/

  • Klaus Meier sagt:

    Vielen Dank für die Kommentierung unserer Stücke und vor allem für den Hinweis auf Ihre sehr schlüssige und wertvolle Erzähltheorie!
    Uns ist im Nachhinein auch aufgefallen, dass einige Bilder länger stehen können. Ich denke, es ist ein typischer Fehler bei der Produktion einer Audio-Slideshow, dass man seine eigenen Fotos schon allzu oft gesehen hat und sie dann am Ende der Produktionsphase immer kürzer stehen lässt.

  • Matthias sagt:

    Sehr schön! Ich hab mir einige angeschaut… schade dass ihr das alle als Video gemacht habt! Bildqualität 🙁

    Suppenküche: Schöne Live-Atmo, aber: Ich versuche immer, nicht nach Dingen in der Vergangenheit fragen, wenn es dazu keine Bilder gibt.

    Flohmarkt: Super Protagonist! Aber Bilder finde ich zu schnell. Mehr Detailaufnahmen wären schön gewesen.

    Geige: Gute tonspur! Aber Bilder und Sprecher nicht gut verbunden. Ich mache immer auf einem 2. termin nochmal Fotos speziell zu dem, was der Progonist sagt.

    Unterschied zum Video: Video erzählt mit kleinen Ereignissen, die Audio-Slideshow dagegen wie ein Text, unterstützt durch Bildobjekte und Bühne -> Die Audio-Slideshow hat mehr Gestaltungsfreiheit als ein Video und doch mehr audiovisuelle Eindrücke als ein Text. Video hat einen Zwang zum Zeigen eines Ereignisses (Tagesschau), Audio-Slideshow kann Ereignisse in leere Bilder hineinerzählen (Bühneneffekt). Außerdem liegt mehr Aufmerksamkeit auf der Tonspur, weil der Rezipient nicht das Gefühl hat, selbst vor Ort zu sein. Ausführliche Erklärung hier:
    http://rufposten.de/weblog/Journalismus/Theorie/video_vs_ass_vermittlung_ereignisse.html

    Aber sicher, für einige Themen wäre Video besser gewesen. Aber ich denke, bei der Übung ging es ja darum, die Audio-Slideshow zu lernen.

  • Gute Frage. Ich spreche mal für mich:

    Meiner Erfahrung gewöhnen sich Protagonisten deutlich schneller an eine Fotokamera als an schweres Gerät (egal ob TV-Team oder Mini-VJ-Cam). Wenn „das Fernsehen“ da ist, verliert doch vieles an Charme, Spontaneität und Authentizität.

    Als Pluspunkt für Audio-Slideshows gegenüber Videos sehe ich auch den leichteren Transport von Atmosphäre. Wobei sich „leichter“ weniger auf die Produktion als auf das Ergebnis bezieht.

    …Meinungen dazu?

  • Alles schön und gut.

    Nur: Was ist bei diesen Audio-Slideshows der Vorteil zum Video? Und: Der Unterschied zu einem Video?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.