Caregaroo: Babysitter mit Profil


Babysitter auf Knopfdruck – vorbei sind die Zeiten, in denen Babysitter ihre Abreißzettel an der Supermarktkasse aushängen und Eltern sich
haufenweise durch Inserate quälen mussten. Die Plattform Caregaroo bringt Babysitter und Eltern zusammen – online. Nur ein paar Klicks entfernt, schnell, sicher und zuverlässig. Das versprechen zumindest die Gründer von Caregaroo. Wie die vier Studierenden zu Babysitter-Vermittlern wurden und welche Hürden es gab, erzählen zwei der Gründer, Marc Becker und Danilo Labarile, im Interview.

Wie kommen ausgerechnet vier junge Männer darauf, ein Start-up für Kinderbetreuung zu gründen?

Marc: Danilo und ich waren schon immer Kinderbetreuuer für unsere Geschwister. Uns war bewusst, wie wichtig es ist, dass Kinderbetreuer qualifiziert sind. Vertrauen ist das Wichtigste in der Branche. Das Schlüsselereignis für die Gründung war, dass ein Freund von uns nicht beim wiso-Fußballturnier mitmachen konnte, weil er gerade Vater geworden war. Er fand keinen Betreuer für sein Kind. Wir dachten uns: Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass da einer kommt, auf den sich die Leute verlassen können.

Vom Studierenden zum Gründer: Was war eure Stunde Null?

Danilo: Null war hier. Im Seminarraumgebäude. Wir, das sind Felix, Jörn, Marc und ich hatten die Idee, etwas zusammen zu machen. Eigentlich mussten wir für Klausuren lernen, das war aber langweilig. Stattdessen entwickelten wir Careagoo, eine Plattform für Babysitter, Tagesmütter und – väter und für alle, die einen Betreuer für ihr Kind suchen.

Wie viele Studierende sind Eltern?

Fünf Prozent der Studierenden in Deutschland haben dem deutschen Studentenwerk zufolge ein Kind oder mehrere Kinder. 50 Prozent der studierenden Eltern sind verheiratet, 32 Prozent leben in einer festen Partnerschaft, 18 Prozent leben ohne festen Partner. Studierende mit Kind im Erststudium sind durchschnittlich 31 Jahre alt. Sie sind damit 7,6 Jahre älter als ihre kinderlosen Kommilitonen.

Und so etwas gab es vorher noch nicht?

Danilo: Viele Plattformen für Kinderbetreuung lassen einige Wünsche offen. Fast jeder kann sich als Babysitter anmelden. Wir haben es ausprobiert und uns auf einer dieser Plattformen angemeldet – und wurden ohne weitere Überprüfung als Babysitter anerkannt. Das wollen wir anders machen. Wir wollen Vertrauen schaffen. Auch durch die Zusammenarbeit mit unseren Trägern wie Jugendämtern und zum Beispiel dem Mütterzentrum Dortmund. 

Mal angenommen, ich würde mich als Babysitter bei euch registrieren wollen. Was müsste ich dafür tun? 

Marc: Bei uns muss man sich verifizieren lassen, bevor eine Anmeldung erfolgt. Ein Bewerber muss ein Foto von sich und seinen Lichtbildausweis hochladen. Wir überprüfen die Glaubhaftigkeit. Außerdem wird den Babysittern nahegelegt, das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis hochzuladen oder auch andere Qualifikationen wie ein Babysitter-Diplom. Erst, wenn wir alles für okay befunden haben, darfst du mitmachen. Der nächste Schritt ist ein Kennenlerntreffen mit einer Familie, falls du angefragt wurdest. So können sich beide Seiten kostenlos absichern, ob es passt. Ist das der Fall, haben wir ziemlich viel dafür getan, dass das Ganze auf guten Füßen steht.

Und wie sieht’s bei Tagesmüttern aus?

Marc: Die brauchen eine Pflegeerlaubnis. Da wir mit Jugendämtern zusammenarbeiten, können wir das schnell abgleichen. Die Räumlichkeiten und Qualifikationen werden überprüft – und dann gibt es ein Psychologen-Gespräch. Danach entscheidet sich, ob überhaupt und, wenn ja, wie viel Kinder der Tagesmutter oder dem Tagesvater zugetraut werden.  

Hattet ihr euer Konzept direkt parat oder hat eure Idee sich entwickelt?

Danilo: Zuerst wollten wir haushaltsnahe Dienste anbieten. Also Babysitting, aber auch Senioren-Betreuung, Gartenpflege und Haushaltshilfe. Dann wurde uns bewusst, dass das zu viel auf einmal ist. Also wollten wir nur noch Kinder-und Seniorenbetreuung anbieten. Aber da das völlig verschiedene Zielgruppen sind, haben wir uns am Ende für die Kinderbetreuung entschieden.

Wie lief die Gründung ab?

Danilo: Als unser Konzept stand, haben wir mit vielen Experten gesprochen. Das ging, weil wir das erste Start-Up des Entrepreneurship-Zentrums in Witten waren. Wir konnten mit Rechtsexperten sprechen und mit erfahrenen Firmengründern. 

Was verdienen die Babysitter bei euch? 

Danilo: Die Babysitter legen ihren Lohn selbst fest. Ihre Vorstellungen müssen natürlich mit denen der Familie zusammenpassen. Da kommt es aber nicht zu Überraschungen, weil die Gehaltsvorstellungen bereits im Profil des Betreuers vermerkt sind. Die Plattform gewährleistet eine Rechnungsstellung und den Bezahlvorgang. Außerdem profitieren die Babysitter davon, dass sie über unsere Plattform für Sach- und Personenschäden versichert sind. 

Und was springt für euch dabei raus?

Marc: Wenn der Babysitter zehn Euro kostet, dann bezahlen die Eltern elf und wir kriegen einen Euro davon ab, also immer zehn Prozent pro Stunde. Dafür bekommen die Nutzer auch den Service von uns. 

Danilo: Uns ist es wichtig, dass der Nutzer erst dann etwas bezahlen muss, wenn er den Dienst tatsächlich in Anspruch nimmt. Auch das Kennenlern-Treffen kostet nichts! Erst wenn es zum Betreuungsvertrag kommt, wird unser Angebot kostenpflichtig.

Bafög-Empfänger haben Anspruch auf Betreuungsgeld
Studierende, die mit mindestens einem eigenen Kind zusammenleben, das das zehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, erhalten auf Antrag einen pauschalen Kinderzuschlag in Höhe von 113 Euro im Monat für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind. Der Kinderbetreuungszuschlag wird als Vollzuschuss gezahlt und muss nicht zurückgezahlt werden. Erhalten beide Elternteile BAföG, kann nur ein Elternteil den Kinderbetreuungszuschlag beantragen.

Wie wichtig ist Werbung?

Danilo: Wir nutzen Werbemöglichkeiten bei Google und Facebook. Wir haben aber auch Flyer, die zum Beispiel in Kinderbekleidungsgeschäften oder bei Frauenärzten ausliegen. Es ist aber auch eine Kooperation mit den Cinestar-Kinos im Gespräch. Wir würden den Babysitter für einen romantischen Abend stellen und das Kino die Eintrittskarten für einen Film nach Wahl. 

Was sind eure wichtigsten Erfahrungen, die ihr an Gründer weitergeben würdet?

Danilo: Das klassische Problem ist, dass man zu lange an seinem Produkt feilt und noch mehr Features haben will. Uns wurde gesagt: „Geht erst einmal an den Markt, holt euch Feedback vom Markt und entwickelt es dann am Markt.“

Marc: Genau! Alles lieber heute als morgen. Es hat uns viel Zeit gekostet, unterschiedliche Szenarien durchzuspielen.

Danilo: Auch wichtig ist, dass ohne unsere IT-Experten nichts geklappt hätte. Wir haben ein kleines Casting im Seminarraumgebäude veranstaltet. Der Gewinner ist jetzt Mitglied des Gründungsteams. 

Ging es denn immer harmonisch zu oder gab es auch mal Zoff?

Marc: Kein junges Unternehmen kann bestehen, wenn sich die Gründer nicht verstehen. Wir drei kennen uns seit sieben Jahren und wissen, wie wir ticken. Klar sind wir uns oft an die Gurgel gegangen, wenn es Rückschläge gab, aber danach wollte niemand aufgeben. Es ist einfach wichtig, dass es menschlich passt. 

Danilo: Man muss ja am nächsten Tag weiterarbeiten.

Beitragsbild: Caregaroo

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