Paid Content beendet die Kostenloskultur Internet

Die Zahlungsbereitschaft im Internet ist groß. Musik und Apps landen neben Büchern und Klamotten mit nur wenigen Klicks im Warenkorb. Wie hoch das Porto der Onlinebestellung ist, interessiert dabei kaum. Anders ist das bei Informationen: Für Inhalte von Content-Anbieter zu bezahlen, dazu sind die wenigsten Nutzer bereit. Schließlich ist es nicht schwer, auf einer anderen Nachrichtenseite über das gleiche Thema zu lesen – umsonst.

Doch das Bezahlmodell für journalistische Inhalte ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Redaktionen läuten die „Paid-Content-Ära“ ein und suchen einen Weg die zurückgehenden Print-Erlöse zu kompensieren. Zahlen für Inhalte in der Kostenloskultur Internet? „Gar nichts“, „einen Euro die Woche“, „höchstens einmalige Anschaffungskosten“ würden Studenten der TU Dortmund für Online-Nachrichtenseiten oder –Apps investieren. Das sitzt.

Thorsten Giersch, Programmdirektor und „Mister Paid Content“ bei Handelsblatt Online, glaubt dennoch an einen „Journalismus für eine neue Generation“. Am Montag, 29. April, kam der ehemalige Journalistik-Absolvent an die Uni Dortmund zurück und sprach bei der Talk-Reihe „Die Wirtschaftsmacher“ über Bezahlmodelle im Internet.

Was muss Onlinejournalismus bieten, damit Nutzer bereitwillig kleines oder großes Geld dafür entrichten? Es sind exklusive Inhalte mit Mehrwert. Qualitativ, unkompliziert und einfach zugänglich, die sich von den übrigen Anbietern unterscheiden. Die Amerikaner haben vorgelegt (Financial Times, Wall Street Journal), der Axel-Springer-Verlag mit einer Paywall für Welt Online und Plänen für Bild.de nachgelegt.

Seit März 2013 gehört auch das Handelsblatt zu den Innovationsführern in Deutschland: Die iPad-Applikation „Handelsblatt Live“ hat den Markt und die App-Stores betreten, dreimal täglich liefert sie das Neuste aus Wirtschaft und Börse auf den Tablet-PC. Das alles für 9,99 Euro in der Woche – „in Relation zum Content der geliefert wird ein niedriger Preis“, findet Thorsten Giersch.

„Die Entwicklung ist eindeutig. Die Frage ist nur noch wie.“

Thorsten Giersch, Programmdirektor und "Mr. Paid Content" bei Handelsblatt Online

Zurück an der Uni: "Mr. Paid Content" Thorsten Giersch bei den Wirtschaftsmachern. Teaserbild: Kurt F. Dominik / pixelio.de. Foto: Maike Knorre

Das Konzept der Eigenmarke, die auf die individuellen Wünsche des Nutzers eingeht, ist seiner Meinung nach ein profitables. Das Handelsblatt stehe für umfangreiche Servicestücke, Geldanlageberatung und Fachinformationen. „Daraus wollen wir Pakete schnüren: Dossiers, E-Books, Videos oder auch ein persönliches Archiv nehmen den Lesern Arbeit ab.“

Clubmitglieder heißen die neuen Abonnenten, die bereits vor den abendlichen Acht-Uhr-Nachrichten die komplette Printausgabe des nächsten Tages auf dem iPad haben. Eine neue Generation zahlungsbereiter Konsumenten selektierter Informationen.

Paid Content gibt es in vielen Formen. Neben sogenannten „harten Bezahlschranken“ für einzelne Artikel ist das gemäßigte „Metered Modell“ die bisher am meisten verbreitete Variante: Eine bestimmte Anzahl an Beiträgen im Monat ist frei, für alles was darüber hinaus konsumiert werden möchte, ist eine kostenpflichtige Registrierung von Nöten. Gängig sind auch elektronische E-Paper-Ausgaben oder Nachrichten-Apps.

Dass sich die Bezahlmauer enger um redaktionelle Inhalte im Internet zieht, davon ist Giersch überzeugt. „Die Entwicklung ist eindeutig. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie.“

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