Ein neuer Bus, der ankommt

Wahrscheinlich ist das, was in diesen Tagen für viele junge Leute in Erfüllung geht, so etwas wie ein Traum: Für wenig Geld können sie ab sofort durch die ganze Republik reisen – ohne lästiges Gepäck schleppen, ohne Unpünktlichkeit, ohne Umsteigen. Kurzum: ohne die Deutsche Bahn. Deutschlandweit gehen momentan die Fernbuslinien an den Start. Der erste ist gestern von Dortmund nach Köln gefahren.

Der günstige Preis hat Studentin Melanie Göbbel und ihren Freund David Marek gelockt. Fotos: Nike Laurenz

Der günstige Preis hat Studentin Melanie Göbbel und ihren Freund David Marek gelockt. Fotos: Nike Laurenz

Und das pünktlich. Um 16.05 Uhr geht es los, der Bus des Münchener Unternehmens Flixbus verlässt als erster deutscher Fernbus im Linienverkehr den Dortmunder Hauptbahnhof. Warm ist es an Bord, gemütlich in den orangefarbenen Vier-Sterne-Komfortsesseln, ja, sogar angenehm ist das leise Dudeln der Musik aus dem Radio des Fahrers. Nur fünf Leute fahren mit an diesem Nachmittag. Nicht viele scheinen bereits vom neuen Fernbus zu wissen, der jetzt nur auf Grund einer Gesetzesänderung über den Straßen rollt: Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Busunternehmen Fernverbindungen anbieten, vorher schützte ein besonderes Gesetz die Bahn vor derartiger Konkurrenz – und das 80 Jahre lang. Über die Änderung freut sich nicht nur das Unternehmen Flixbus – auch andere Anbieter, etwa Meinfernbus.de oder Eurolines, stehen mit Deutschlandreisen ab Dortmund Hauptbahnhof schon in den Startlöchern.

W-LAN, Minibar und Fernseher

Leider funktioniert der Wasserhahn in der Toilette des Busses nicht.

Leider funktioniert der Wasserhahn in der Toilette des Busses nicht.

Auf den ersten Blick sieht der Flixbus von innen aus wie jeder Reisebus: es gibt Polstersessel, eine kleine Toilette (mit defektem Wasserhahn), Gardinen an den Fenstern, die müde Menschen zum Schlafen vorziehen können. Neben diesen Bus-Standards bietet der babyblau lackierte Bahn-Konkurrent noch ein paar besondere Extras: Es gibt ein kostenloses W-LAN, eine Minibar mit Kaffee (für 1,50 Euro, nachfüllen kostenlos), Säften und Snacks und sogar ein paar ausklappbare Fernseher (auf Langstrecken laufen hier DVD’s). Im Netz surfen oder Hausarbeiten schreiben geht zwar nicht immer – es sind nur zwei Steckdosen im Bus, und die liegen sehr versteckt. Aber dafür gibt es ganze 72 Zentimeter Beinfreiheit. Und wen das alles überfordert, der stellt einfach seine Polster-Lehne zurück und lässt den Blick aus dem Fenster schweifen.

„Die Fahrt ist deutlich angenehmer als die mit dem Zug“, sagt Melanie Göbbel, Studentin aus Göttingen. Während der Flixbus über die Autobahn rollt, erzählt sie von ihrer Motivation, mitzufahren. „Der Bus ist pünktlich, hier ist es ruhig. Und man hat sogar jemandem, der einem persönlich die Koffer reinträgt“, sagt sie mit Blick zum Busfahrer. Die 21-Jährige sitzt neben ihrem Freund David Marek, sie hat die Beine ausgestreckt, schmiegt den Kopf an ihn. „Sehr bequem“, sagt David. Die beiden sind durch eine Werbeanzeige von Flixbus auf die Idee gekommen, die Bahn-Alternative auszuprobieren. Beide meinen, dass sie vor allem aus einem Grund mitfahren: wegen des Preises.

Für 9 Euro nach Köln

Auf den orangefarbenen Sesseln lässt es sich bequem reisen.

Auf den orangefarbenen Sesseln lässt es sich bequem reisen.

Und der hat es in sich – oder auch nicht: 9 Euro kostet die Fahrt von Dortmund nach Köln pro Person. Zwei Mal täglich fährt der Flixbus vom Parkplatz am Hintereingang des Hauptbahnhofes nach Köln ab. Sieben Mal pro Woche geht es für 39 Euro gen Osten nach Dresden. Das Unternehmen plant, in Zukunft noch weitere Städte anzufahren. Fahrkarten gibt es entweder direkt beim Busfahrer oder im Internet – da erwischt man mit etwas Glück dann auch mal den ein oder anderen Spartarif. „Für junge Leute wie mich, die eine Ausbildung machen – und daher kein Studententicket haben – ist das ideal“, sagt Mitfahrer Benjamin Lebert (24).

Nach anderthalb Stunden endet die Fahrt an einer Bushaltestelle in der Nähe des Bahnhofes Köln Messe-Deutz. Ein Glück: Kein Stau. Im Zweifel könnte der die Ankunft des Busses deutlich hinauszögern – ein Problem, über das sich die Deutsche Bahn keine Sorgen machen muss. Beim Abschied  in Köln zeigt sich noch einmal, was den Bus von der Bahn unterscheidet: Alle Fahrgäste werden bei der Kofferausgabe persönlich vom Busfahrer verabschiedet.

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